Reise von Phnom Penh nach Hanoi

Kambodscha wollte uns offenbar nicht so bald gehen lassen. Aber wir haben es schliesslich doch noch nach Vietnam geschafft. Über diese abenteuerliche Weiterreise berichten wir hier etwas ausführlicher.

Per Flugzeug

Eigentlich wäre es ganz einfach gewesen: ein Flug von Phnom Penh um 16.05 Uhr mit Zwischenstopp in Siem Reap und planmässige Ankunft in Hanoi um 19.30 Uhr, von wo uns der vorbestellte Fahrer ins reservierte Hotel in der Altstadt bringen sollte, pünktlich zu einem ersten vietnamesischen Znacht. Soweit der Plan. Es sollte anders kommen.

Als uns am Flughafen von Phnom Penh mitgeteilt wurde, wir sollten trotz gleicher Airline in Sieam Reap das Flugzeug wechseln und nochmals mit dem ganzen Gepäck neu einchecken, dachten wir schon: reicht dafür die eine Stunde Zwischenlandung? Aber bei der Cambodia Angkor Air konnten wir offenbar froh sein, wenn das Flugzeug überhaupt abhebt, den andere ihrer Flüge waren gecancelt worden.

Wir hoben ab in die Luft, allerdings mit anderthalbstündiger Verspätung erst um 17:30 Uhr. An Bord versicherte man uns, den Anschluss in Sieam Reap würden wir trotzdem erwischen, schliesslich sei es ja die gleiche Airline. Unser Gepäck werde mit Priority schnell abgehandelt und man würde uns gleich in Empfang nehmen und ans internationale Terminal für den Weiterflug nach Vietnam eskortieren.

Natürlich lagen unsere Rucksäcke längst nicht als erste auf dem Gepäckband und auf uns wartete auch niemand. Also selber das Gepäck und die Jungs auf einen Wagen geladen und im Eiltempo ans internationale Terminal gerannt. Um festzustellen, dass unser Flieger nach Hanoi – surprise, surprise – längst abgeflogen war. Und nun?

Wir fragten uns am Flughafen von Siem Reap selber durch und schafften es schliesslich sogar, unser Ticket der Cambodia Angkor Air umzuwandeln in ein Ticket der Vietnam Airlines, die an jenem Abend ebenfalls noch nach Ha Noi flogen. Dafür musste ich lediglich ein Dokument unterschreiben: eine Verzichtserklärung auf eine on-board-Mahlzeit. Eigenartig. Zumal es dann für uns alle doch noch etwas zu Essen gab, als wir in der halbleeren Maschine nach Ha Noi sassen. Zum Glück, Alexis wäre sonst nach eigenen Angaben verhungert, bekommt er doch immer so wenig zu Essen. Mittlerweile war es spät und die Zwillinge schliefen schon im Flugzeug eine Runde.

Im Taxi

Am Flughafen in Ha Noi angekommen, hatten wir nach Vorzeigen unseres online beantragten Invitation Letters und Entrichten von 25 US-Dollars pro Person die Visa für Vietnam in der Tasche. Durch den Zoll kamen wir schnell und unser Gepäck war auch vollzählig. Mit 3-stündiger Verspätung konnten wir allerdings nicht mehr erwarten, dass unser zum Abholen bestellte Fahrer immer noch ausharrte. Und so reihten wir uns in die Schlange der offiziellen Taxi-Geselschaft ein und es konnte losgehen Richtung Altstadt. Der schon ältere Fahrer sprach kein einziges Wort Englisch und Patrick lotste ihn mittels GPS auf unserem Handy zum Hotel, während Nicola und Alexis auf meinem Schoss eine halbe Stunde schliefen.

Dieser lange und anstrengende Reisetag hatte uns einiges an Nerven gekostet und wir waren froh, bald im Hotel zu sein. Doch was nun? Rund 1 km von unserem Hotel entfernt hielt das Taxi abrupt an und mit der Geste von verschränkten Armen und einem vietnamesischen Wortschwall gab uns der Taxi-Fahrer zu verstehen, er würde nun nicht mehr weiterfahren. Wir sollten den Betrag auf dem Taxometer bezahlen und aussteigen. Hier und jetzt, an einer Hauptstrasse voller Nachtleben.

Zu Fuss

So standen wir also nachts um 23 Uhr mit zwei grossen Rucksäcken, zwei Kinderrucksäcken, einem Handgepäck-Rucksack, einer schweren Souvenir-/Fress-Tasche und zwei weinenden Vierjährigen, die ebenfalls getragen werden wollten, in einer asiatischen Grossstadt am Strassenrand und wussten gar nicht recht, wie wir nun das Hotel finden sollten. Der Handy-Akku tendierte gegen Null. Was blieb uns also anderes übrig, als uns zu Fuss schwer beladen mit den heulenden Kindern an der Hand durch das Samstagabendgetümmel im Ausgangsviertel auf die Suche zu unserem Hotel zu machen? Das war einer dieser Down-Momente, wie es sie auch auch auf Reisen gibt. Momente des Zweifelns und des Hinterfragens, warum man sich so etwas eigentlich antut.

Aber solche Momente gehen zum Glück auch schnell wieder vorbei. Und meisten ergibt sich genau in solchen Momenten irgendetwas besonders Positives. Wir fragten uns also durch die Menge an Feiernden und Betrunkenen an der Bar Street und trafen zufällig auf einen Franzosen. Der wollte unser Hotel kennen und uns mit seinen Promille intus tatsächlich noch hinführen. Auch bestand er darauf, ein Kind zu tragen. Trotz seinem ziemlichen Alkoholpegel vertrauten wir seinen Worten und folgten ihm. Mit Nicola auf dem Arm und unter Gestöhne «mais c’est pas normal, il pèse une tonne!» schwankte der Franzose vor uns her und schliesslich erreichten wir das reservierte Old Town Hotel. Was für eine Erleichterung!

Um 23:59 Uhr lagen die Jungs im Bett in unserem grossen, ruhigen Zimmer und schliefen umgehend. Patrick und ich brauchten noch etwas länger, um den Tag zu verarbeiten und uns wieder positiv auf Vietnam einzustimmen.

Alles ist noch einmal gut gegangen! Miriam Patrick Nicola Alexis