Roadtrip durch Bali

Eine Woche, wir zwei, ein Yamaha 115ccm Scooter, eine Panne, eine Polizeikontrolle, 570 Kilometer – ganz viel Spass! Wir sind angekommen auf der Götterinsel und gleich wieder losgezogen mit dem Scooter durch Bali.

Da wir uns bei unserer abendlichen Ankunftszeit am Flughafen von Denpasar, Bali, nicht mit den Wucherpreisen der Taxifahrer herumschlagen und keinesfalls im übertouristischen Kuta übernachten wollten, hatten wir über Internet bereits von Malaysia aus jemanden ausfindig gemacht, der uns abholte und direkt nach Padangbai brachte. Ketut, der Jüngste von zwölf Geschwistern (elf Schwestern!) und inzwischen selber Familienvater, fuhr die rund zwei Stunden und empfahl uns auch gleich eine günstige Unterkunft: Bamboo Paradise. Dort bekam zwar die Bezeichnung „Shared Bathroom“ eine ganz neue Bedeutung, da verlässlich jeden Abend, wenn wir duschen wollten, eine Kakerlake aus dem Abfluss empor gekrochen kam, aber dank der sehr netten und hilfsbereiten Besitzerin Ayu und dem günstigen Preis (ca. 12 CHF für das Zimmer mit Frühstück) sind wir trotzdem geblieben.

Padangbai ist für in- und ausländische Besucher meist nur vorübergehender Aufenthaltsort mit Bootsverbindungen zur Nachbarinsel Lombok sowie zu den Gili-Inseln, bietet aber auch schöne Natur wie einsame schwarze Strände, einen kleinen weissen Strand und glasklare Lagunen. Für uns war Padangbai der perfekte Ausgangsort, um Bali auf eigene Faust zu entdecken. Nach zwei Nächten liessen wir unsere grossen Rucksäcke bei Ayu im Bamboo Paradise zurück und fuhren mit einem gemieteten Scooter und kleinem Gepäck aufs Geratewohl los.

Wir waren noch keine Stunde unterwegs, schon hatten wir eine Panne. Die Hinterradbremse funktionierte nicht mehr. Zum Glück gibt es in Bali Scooter-Mechaniker genauso wie Benzinverkäufer alle paar Kilometer am Strassenrand. Schnell war die Bremse geflickt (Reparaturkosten 2.5 CHF) und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen. Was für eine Rostlaube haben wir da erwischt, dachten wir schon. Doch dies sollte glücklicherweise die einzige Panne bleiben.

Auf Bali herrscht Linksverkehr, statt auf den Blinker wird auf die Hupe gesetzt. Orientieren alleine anhand der Strassenbeschilderung ist nicht möglich. Ayu hatte uns einen Strassenatlas mitgegeben und auch die Balinesen waren jederzeit sehr darauf erpicht, uns die Richtung zu weisen. Nur haben wir schnell festgestellt, dass die Einheimischen nie zugeben würden, wenn sie etwas nicht wissen, sondern sie schicken einem stattdessen ohne mit der Wimper zu zucken in irgendeine Richtung. Nach ein paar Mal falsch fahren haben wir uns schnell angewöhnt, uns die Information von mindestens drei weiteren Balinesen bestätigen zu lassen (wobei wir mit dieser Taktik auch schon drei komplett verschiedene Antworten bekamen und weitere Erkundigungen einziehen mussten). Wir sind womöglich nicht immer den direktesten Weg gefahren, aber ans Ziel, das heisst an einen schönen Ort mit Essens- und Schlafmöglichkeiten, kamen wir immer.

Einen ersten Stopp legten wir in Ubud ein, ein für das Kunsthandwerk bekannter Ort im Inselinnern. Nachdem uns ganze Heerscharen von Strassenverkäufern verfolgen, liessen wir das touristische Ubud nach einem Spanferkel-Mittagessen schnell wieder hinter uns. Wunderschöne Landschaften mit wässrigen Reisterrassen, gesäumt von Kokos- oder Bananenpalmen folgten Richtung Norden. Die Terrassenfelder von Tegalalang gehören zu den schönsten Balis. Wir schauten uns den in den Felsen gehauenen Tempel Gunung Kawi an.

Noch während wir in die Steintreppe vom Tempel zum Parkplatz hochstiegen, fielen die ersten dicken Regentropfen. Wir wurden bis auf die Unterwäsche nass auf unserem Scooter und es wollte und wollte keine Unterkunft auftauchen. Auf über 1000 Höhenmeter wurde es ausserdem empfindlich kalt. Völlig durchnässt erreichten wir die Gegend um Kintamani, nahmen uns eine Unterkunft (Kriterien: heisses Wasser und bezahlbar) am Fusse des Vulkankraters direkt am Batur-See. Dort könnte man tolle Trekking-Touren unternehmen, doch wir waren nur mit leichtem Gepäck, das heisst lediglich mit Flipflops, unterwegs. So haben wir mit dem Scooter den Vulkan umkreist, wobei die steilen Strassen voller Schlaglöcher auch zeitweise Fussmarsch erforderten.

Nächstes Ziel war Lovina Beach an der Nordküste Balis. Miriams einstige Arbeitskollegin Helen hatte uns die Villa Lumbalumba, die eine Schweizer Freundin von ihr betreibt, als Unterkunft empfohlen. Dort hat es uns so gut gefallen, dass wir gleich zwei Nächte geblieben sind in einem riesigen, im balinesischen Stil eingerichtetes Zimmer mit grossem, offenem Bad. Und erst das Frühstück mit Tee, frisch gepresstem Fruchtsaft, tropischer Fruchtsalat, braunem (!) Brot, Butter und Konfitüre, kalte Milch, Eier. Einen ganzen Tag haben wir auf der Terrasse mit dem üppig grünen Garten verbracht und wieder einmal in deutschen Klatschmagazinen geschmökert. Abkühlung schaffte ein kleiner Pool und zum Ausruhen standen Liegestühle zur Verfügung sowie ein Liegepavillon, den Patrick gar nicht mehr verlassen wollte. Abends sind wir jeweils mit dem Scooter an den Strand gefahren, um in einem Warung, einem einheimischen Restaurant, zu essen und in einer Bar etwas zu trinken.

Pemuteran im Nordwesten Balis hatten wir angesteuert mit der Idee, auf der davor liegenden Insel Menjangan tauchen zu gehen. Jedoch tobte das Meer an jenem Tag dermassen, dass kein Boot auslaufen konnte. Ein Déjà-Vu von Turtle Island… Aber es war wohl zu unserem besten, denn bereits ein Rifftauchgang lief nicht so gut für Miriam. Die Folge waren starke Kopfschmerzen und Nasenbluten wegen immer noch verstopften Stirn- und Nebenhöhlen von der letzten Grippe.

Somit haben wir Pemuteran nach einer Nacht bereits wieder hinter uns gelassen und sind der Küste entlang gefahren bis nach Tulamben, einem weiteren berühmten Tauchort. An jenem Tag fegte ein solcher Sturm über Bali, dass wir mit dem Scooter fast in den Strassengraben geweht worden wären. Abgebrochene Äste und umgeknickte Bäume lagen im Weg. In Tulamben haben wir auch noch einmal getaucht, doch die Folgen waren bei Miriam die selben und wir sind auch früher abgereist als eigentlich gewünscht. Tulamben hat uns sehr gefallen und wir hätten gerne noch weiter getaucht.

Von Tulamben sind wir bis nach Candidasa an Balis Ostküste gefahren, einem etwas verschlafenen, wenn auch wieder touristischeren Ort. Auf eine Empfehlung von Miriams Freundin Stephanie haben wir der Queen-Bar einen Besuch abgestattet und einen lustigen Abend mit dem Besitzer Gusti verbracht, der endlos Geschichten aus seiner Zeit in Schweden zu erzählen wusste. Den Tag verbrachten wir am wunderschönen White Sand Beach, bevor wir wieder Padangbai ansteuerten.

Ausgerechnet wenige Kilometer vor dem Ende unseres Roadtrips wurden wir von der Polizei angehalten und mussten ein saftiges Buss- resp. Schmiergeld zahlen, da unser Führerschein angeblich ungültig war. Und wäre es nicht das gewesen, hätten sie einen anderen Grund gefunden, wie wir viele Geschichten gehört hatten. Wir konnten beobachten, dass die Polizisten genau auf Touristen passten, denn Einheimische konnten zu viert und ohne Helm auf einem Scooter sitzen und mussten nicht einmal einen Ausweis vorweisen. Der Polizist liess uns die Wahl zwischen „going to court“ für 1 Million Rupiah und „finish problem here“ mit einem fünftel Schmiergeld. Was immer noch etwa einem Wochenlohn von einem Polizisten entspricht und uns unheimlich aufgeregt hat. Das erste Mal Schmiergeld auf unserer Reise – und das in Bali! Jänu, an Touristenorten muss man halt eher mit Abzocke rechnen!

Zurück in Padangbai wartete im Bamboo Paradise nicht nur die Besitzerin Ayu und ihr Hund Semi auf uns, sondern auch eine Kakerlake zeigte sich pünktlich in den Abendstunden wieder im Badezimmer. Ein gekonnter Hieb mit Patricks Schuh setzte dem Leben ein Ende. Wirklich ruhig schliefen wir trotzdem nicht, da sich auch schon ein grosses Exemplar ins Schlafzimmer verirrt hatte…

Aber es sollte nur für eine Nacht sein, nachher zogen wir schon wieder weiter.

Brumbrum – mit einem durch die Scooter-Fahrt empfindlich gewordenen Hintern: Miriam y Patrick

PS: Zum Tauchen in Indonesien folgt ein separater Bericht.

6 Kommentare
  1. Kusi
    Kusi says:

    hallo mirli & patrick

    coole brecht, schöni ond passendi föteli! witer so! 🙂

    liebi grüess usem wenterleche zofige,
    kusi & family

  2. Lisbeth
    Lisbeth says:

    Schön mal wieder was von euch zu lesen
    und zu sehen (:
    Liebe Grüße aus dem grauen Deutschland!

  3. Sonja
    Sonja says:

    Liebe Miri, lieber Patrick,
    ich hätte mir Bali gar nicht so schön vorgestellt. Es ist immmer wieder toll, Dank euch, zu sehen was es für wunderschöne Ecken es auf dieser Erde gibt! Vielen Dank fürs teilhaben lassen!
    Euer Gewinn ist diese Woche bei uns angekommen, vielen Dank auch dafür!
    Macht weiter so und noch viel Freude!
    Herzliche Grüße Sonja

  4. yo
    yo says:

    schöööööööööön, über diese gegenden zu lesen… *sigh* – die scooter tour klingt supertoll!!! zu schade für die abzockerei:( *knuddelwuddelvonhier*

  5. myp
    myp says:

    Danke, Danke euch allen!
    @ Sonja: wir sind froh, ist das Paket doch nicht beim Zollamt hängengeblieben! Stimmt die Schuhgrösse ;-)? Der nächste Sommer kommt bestimmt, auch wenn das wahrscheinlich momentan im winterlichen Europa schwer vorstellbar ist!
    Liebe Grüsse

  6. Sonja
    Sonja says:

    Hallo ihr 2!
    Passt alles bestens!
    Die Füße freuen sich jetzt schon auf die Freiluft-Saison!
    Alles Liebe Sonja

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