Südliches Canterbury, Otago und die Catlins

Wir sind unterwegs auf einer kurvigen Schotterstrasse, vor uns liegen Schafweiden, lauschige Sandbuchten, herrliche Panoramasichten auf Klippen, Wind gepeitschte Grashänge und das tosende Meer.

Christchurch hatten wir schnell hinter uns gelassen und schon befanden wir uns mitten in einer Landschaft aus sanften Grashügeln voller schmutzig weisser und weisser Punkte – Schafe mit dichter Wolle und frisch geschorene Schafe. Kurz nach Omamaru suchten wir nach einer ersten Übernachtungsmöglichkeit, einem DOC-Zeltplatz. Das Department of Conservation, kurz DOC, kümmert sich nicht nur um den Naturschutz, Parks und Wanderwege, sondern hat in ganz Neuseeland an abgelegenen Orten einfache Campingplätze eingerichtet.

Das Zelt war schnell aufgestellt und wir haben trotz Regentrommeln auf dem Zeltstoff gut geschlafen, wenn es auch recht kalt war. Es ist zwar Sommer in Neuseeland, aber auf der Südinsel sind die Temperaturen nicht vergleichbar mit dem Hochsommer in der Schweiz. In der Nacht sinken die Temperaturen auf 5 Grad.

Am nächsten Morgen folgten wir der kurvenreichen Küstenstrasse, der Southern Scenic Route. Sandige Buchten schmiegen sich aneinander, unterbrochen von Gras bewachsenen Hügel mit senkrechten Klippen, an die tosende Wellen mit weissen Schaumkronen zerschlagen. Was die Natur alles hervorgebracht hat! Wir hielten bei den Moeraki Boulder, kugelförmigen Steinformationen, die vor Millionen von Jahren um Kalksteinkristalle herum entstanden und nicht etwa von der Brandung in diese runde Form geschliffen wurden. Wir hatten den perfekten Zeitpunkt erwischt für einen Spaziergang am Moeraki Strand bei Ebbe und in der glitzernden Morgensonne.

Auf der Höhe von Dunedin fuhren wir auf die Otago-Halbinsel, die als malerischer Küstenabschnitt und Lebensraum von Wildtieren gilt. Unter anderem befindet sich dort die weltweit einzigartige Kolonie von Königsalbatrossen auf dem Festland. Am äussersten Ende der Halbinsel besuchten wir das Royal Albatross Centre und erfuhren einiges über diese königlichen Vögel, die eine Flügelspannweite von bis zu 3.5 Meter haben können. Sie sind bekannt für ihre langen Flugzeiten, während der sie ihre Flügel ausgebreitet einrastern können und der Flug sie somit keine Anstrengung kostet. Einige Jungvögel sind drei bis fünf Jahre (!) ununterbrochen in der Luft, bevor sie zu ihrer Geburtskolonie zurückkehren und sich ihren Partner fürs Leben aussuchen. Faszinierend!

Von einer verglasten Hütte aus konnten wir die Albatrosse beobachten. Januar ist Brutzeit, die Albatrosse sassen fast unbeweglich auf ihren Nestern im hohen Küstengras, während der Wind erbarmungslos an den Hang peitschte. Den Vögel schien es nicht viel auszumachen. Wir versuchten uns mit Kapuze einigermassen zu schützen, als wir weiter den Klippen entlang wanderten und weit unten auf den Felsen Seehunde faulenzen und ein Pinguin im Wasser plantschen sahen. Das selbe Bild zeigt sich uns auch weiter südlich an der Küste am Nugget Point, wo wir zu einem Leuchtturm hinaus wanderten und das Panorama der Küstenfelsen bestaunten.

Bei dem stürmischen Wind wechselten sich Regen und Sonnenschein an jenem Tag im Halbstundentakt ab. Wir hatten Glück, tagsüber fiel der Regen immer während der Autofahrt. Gegen Abend zeigte sich die Sonne dann aber gar nicht mehr. Ausserdem war der Boden vom abgelegenen DOC-Campground in der Purakaunui Bucht schon dermassen durchnässt, dass wir uns nicht einmal mehr die Mühe machten, das Zelt aufzustellen. Statt dessen räumten wir unsere Vorräte im Auto um, kippten den Rücksitz nach vorne und legten unsere Schlafmatten in den Kofferraum. Nicht wirklich bequem, da wir uns nicht strecken konnten, aber immerhin blieben wir in jener Nacht trocken und einigermassen warm. Am nächsten Morgen schien wieder die Sonne, doch der stürmische Wind begleitete uns weiter.

In der Küstenregion der Catlins wechselten die Grasklippen und Sandstrände plötzlich zu dichtem Grün: Regenwald. Das üppige Grün, Mammutbäume und Riesenfarnen passten gar nicht in das sonst englisch oder irisch anheimelnde Landschaftsbild, fanden wir zuerst. Aber so vielseitig ist die Natur Neuseelands. Wir spazierten an den Wilkie-See sowie zu den Purakaunui-Wasserfällen.

In der Porpoise Bucht und der Curio Bucht sind wir zwei Nächte geblieben, eine davon in einer tollen Backpacker-Unterkunft direkt am Strand, dem Lazy Dolphin. Alle paar Tage muss doch eine warme Dusche sein! Die Nacht war gut gewählt für ein richtiges Dach über dem Kopf, es stürmte und regnete ununterbrochen. Den Strand der Porpoise Bucht teilt man sich mit Seelöwen und vom Strand oder der erhobenen Hügel konnten wir Hektor -elfinen zuschauen, einer endemischen und inzwischen bedrohten Delfinart, von der inzwischen weniger als 7000 Tiere vor der Küste Neuseelands gibt. In der geschützten Porpoise Bucht ziehen sie ihre Jungen auf.

In der benachbarten Curio Bay konnten wir bei Ebbe im 160 Millionen Jahre alten, einst von Lava verschütteten und nun versteinerten Wald spazieren. Ebenfalls bei Ebbe vor dem Eindunkeln waren wir wegen einer anderen Beobachtung nochmals beim Fossil Forest. Zu jenem Zeitpunkt kehren die Gelbaugen-Pinguine zurück zu ihren Nestern, die sich oberhalb des versteinerten Waldes in der Böschung befinden. Von überall her watschelten die Pinguine vom Meer zu ihrem schreienden Nachwuchs – und wir mittendrin!

So viele Pinguine? Weit kann es nicht mehr sein bis zum Südpol. Aber doch immerhin noch knappe 5000 Kilometer, wie wir ein paar Buchten weiter am Slope Point erfuhren. Über eine Schafweide gelangten wir bis an die äusserste Landesspitze, dem südlichsten Punkt der Südinsel Neuseelands. So weit südlich standen wir noch nie in unserem Leben!

Unser erster Eindruck von Neuseeland ist überwältigend mit dieser Natur und dem Tierreich. Und das ist erst der Anfang!

Miriam y Patrick

4 Kommentare
  1. Lisbeth
    Lisbeth says:

    Hach, da isses aber schöööön!!!

    Liebe Grüße aus dem heute frühlingshaften Deutschland,
    Lisbeth 😀

  2. myp
    myp says:

    Ja, Lisbeth, da könntest du auch ausgedehnte Spaziergänge mit Kati unternehmen, mit dem Wind in den Haaren und dem Meeresgeruch in der Nase! Es würde dir auch gefallen!
    Liebe Grüsse nach Deutschland! Miriam

  3. myp
    myp says:

    @ Mättu: du hättsch i dere Gägend äuä ganzi Spicherchartene vouknipst met au dene Natursujets ond de verschiednige, so schnäu wächselnde Wätterstimmige! Mer wünsche öich, dass ders ou irgendwenn nach Neuseeland schaffet, es würd öich gfaufe!

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