Tut das gut, nach den Städten wieder einmal grün und braun um uns herum zu haben! Von Melakka aus sind wir über 300 km auf Nebenstrassen ins Landesinnere von Malaysia gefahren mit dem Ziel, in zwei Tagen das Dschungel-Gebiet Taman Negara zu erreichen. Das Fahren auf den verkehrsarmen Strassen hat so flüssig geklappt und die Zwillinge auf ihren mit Kissen aus dem Chinesen-Supermarkt selbstgebauten Booster-Sitzli haben so gut mitgemacht, dass wir die rund 6 Stunden Fahrt schliesslich sogar an einem Tag geschafft haben.

Ab der Stadt Jerantut führt eine 70 km lange, fast schnurgerade Strasse nur in den Dschungel hinein bis nach Kuala Tahan, das Tor zum Nationalpark Taman Negara. Zumindest war das einmal so. Heute ist stattdessen mindestens drei Viertel der Strecke beidseitig von Ölpalmen-Plantagen gesäumt. Und wo noch Urwald ist, werden weitere Schneisen in das Unterholz gehauen, um auch dieses Land noch zu erschliessen. Die Waldabholzung in Malaysia gibt uns zusammen mit den Ölpalmen-Plantagen schon zu denken…

Da wir ja mit einer Fahrt von zwei Tagen gerechnet hatten, mussten wir nach unserer verfrühten Ankunft in Kuala Tahan eine Unterkunft für eine Nacht suchen. Was kein Problem war, die Möglichkeiten zum Übernachten in Kuala Tahan sind zahlreich, wobei die meisten Angebote wohl im «very low standard» anzusiedeln wären, den Hütten mit «Rooms»- oder «Guest House»-Beschriftungen nach zu beurteilen. Wir sind nach einigem Herumfahren und -schauen im ziemlich neuen, fast leeren Xscape Resort geblieben. Dort hat man uns einen «New Year Discount» gewährt, so, dass wir für ein grosszügiges und schönes Holzhäuschen inklusive dem reichhaltigen Frühstück für uns alle vier weniger als 40 CHF zu bezahlen hatten. Und einen Pool gab es auch noch, in den Alexis und Nicola am Abend noch schnell hüpfen konnten.

Das wahre Highlight einer Unterkunft erwartete uns dann am nächsten Tag. Unser Mietauto blieb für 4 Tage in Kuala Tahan stehen mit einem vollen Kofferraum und wir hatten nur das Nötigste in zwei Rucksäcke gepackt und liessen uns mit einem Knatter-Boot auf die andere Flussseite bringen. Dort beginnt der Nationalpark Taman Negara, das älteste Waldgebiet unserer Erde, das seit über 130 Millionen Jahren besteht und im Gegensatz zu anderen Urwäldern nie von Vulkanausbrüchen, Erdbeben oder anderen Naturkatastrophen zerstört und auch von grosseren Klimaveränderungen verschont worden war. Rund 4400 Quadratkilometer sind heute als Nationalpark geschützter Urwald.

Im Mutiara Resort im Taman Negara

Nebst dem Park Headquarter befindet sich nur noch ein Hotel auf der Flussseite des Taman Negara, nämlich das Mutiara Resort. Nicht gerade Budget-Preisklasse, aber die 3 Nächte wollten wir uns leisten, weil wir bereits wussten, dass wir mit den Kindern keine organisierten Dschungeltouren machen, sondern selber auf Erkundigungstour gehen wollten. So ist man flexibel nach Lust und Launen der Kinder, ohne andere zu stören oder dort auch noch Rücksicht nehmen zu müssen. Ausserdem zahlen auch Kinder meist den vollen Preis für Ausflüge und so wird es schnell einmal teuer für vier Personen.

Im Mutiara Resort bewohnten wir ein Holz-Häuschen am Ende der Anlage und hinter unserer Terrasse begann sogleich der Dschungel. Den Dschungelrand hinter der Terrasse bearbeiteten die Zwillinge jeweils gerne mit ihren Taschenmessern. Ein Haustierchen hatten wir auch, eine grosse, flauschige Fledermaus, die kopfüber im Dachstuhl der Terrasse hing und mit ihren süssen silbernen Knopfaugen immer wachsam unseren Bewegungen folgte.

Es soll auch schon vorgekommen sein, dass ein Tapir durch das Hotelgelände gelaufen kam, wie Fotos an der Lobby bezeugen. Doch nun wurde dieser schon eine Weile nicht mehr gesehen. Es ist Regenzeit, d.h. Paarungszeit für Tapire, und er habe sich wohl irgendwo weiter drin im Dschungel auf Partnersuche gemacht, hiess es.

Tierbegegnungen hatten wir einige innerhalb der Hotelanlage. Beim Frühstück stolzierte ein Pfauenweibchen zwischen den Tischen umher und an der Lobby zeigte sich immer gerne ein imposanter und wunderschöner Nashornvogel (Hornbill). Täglich mehrmals kamen die Affen zu Besuch (also immer schön alles rund um das Haus wegräumen!). Einen grossen Waran hatten wir zwischen den Hotel-Häusern entdeckt.

Frühstück hatten wir im Unterkunftspreis inklusive, die übrigen Mahlzeiten im Hotel empfanden wir als zu teuer. Das Mittagessen bestand daher bei uns meistens aus Picknick unterwegs oder Noodle Hot Pot. Und für das Abendessen haben wir uns von einem Taxi-Boot (1 RM pro Person, d.h. ca. 25 Rappen) auf die andere Flussseite nach Kuala Tahan bringen lassen, wo wir auf einem der «Floating Restaurants» (improvisierte Restaurants auf Flössen, die am Flussufer fest vertäut waren) zu günstigen Preisen fein gegessen hatten.

Unterwegs im Taman Negara

Zu Fuss haben wir den Dschungel selber erkundigt, den Zwillingen haben wir wieder einige Kilometer abverlangt (bis 5 km pro Tag). Aber mit genügend Motivatoren in Form von Bonbons, Marshmallows etc. im Rucksack, ist mit ihnen jede Distanz machbar.

Eines Morgens waren wir vor allen anderen Leute unterwegs zu einer seichten Stelle am Fluss, wo ohne Gefahr durch die starke Strömung gebadet werden konnte. Das haben Patrick und die Zwillinge dann auch gemacht. Mich hat das braune, trübe Wasser nicht so gereizt. Und erst recht nicht die Blutegel, die sich danach am Flussufer auf alles Kleiderlose stürzten. Nicola und Alexis haben wir ohne Blutegel durchgebracht, aber Patrick hatten sie ganz schön erwischt an den Füssen. Für den nächsten Dschungel-Trek wird er wieder geschlossene Schuhe tragen!

An einem anderen Tag sind wir zu den Canopy Walks gewandert, um nachher in 40 m Höhe auf Hängebrücken über rund 300 m zu laufen. Ganz schön mutig, unsere Jungs sehr forsch voraus. Patrick sowieso. Nur ich kam mit genügend Abstand und zittrigen Beinchen hinterher und war froh, als wir wieder festen Boden unter den Füssen hatten.

Tiere haben wir nicht so viele gesehen, ausser vielen Affen aus nächster Nähe, Schmetterlinge so gross wie Fledermäuse, Dschungel-Eichhörnchen, Echsen, einmal ein Mouse Deer (eine Reh-Art so klein wie eine Katze). Das kann daran liegen, dass jetzt in der Regenheit allgemein nicht viele Tiere am Rand des Taman Negaras unterwegs sind. Oder dass es dort überhaupt nicht mehr so viele Tiere gibt. Oder vielleicht auch an der Lautstärke unserer Zwillinge, wenn wir unterwegs waren. Einmal sind wir zur Dämmerung zu einer Tierbeobachtungsstelle gelaufen, wo schon andere «Gringos» warteten. Nach kurzer Zeit sind wir wieder gegangen, weil mit dem Gezappel und Husten von Alexis und Nicola (sie sind erkältet durch die Klimaanlagen im ganzen Lande) sicher kein einziges Tier aufgetaucht wäre und wir die bösen Blicke der anderen sogar in der Dunkelheit gespürt haben. In diesen vier Tagen im Taman Negara haben wir keine neuen Freunde gefunden…

Trotzdem, mit Alexis Worten: «Dört wetti weder mou äne, das het mer so guet gfaue!» Aber Malaysia hat noch viel mehr zu bieten und nun sind wir bereits wieder mit unserem Mietauto unterwegs in die nächste Region.

Von Mücken (und Blutegel) geplagt, aber von der Natur erfüllt: Miriam Patrick Nicola Alexis

2 Kommentare
  1. ursula_inauen
    ursula_inauen sagte:

    Hei,Ihr vier,das ist ja verrückt,wie und wo Ihr Euch bewegt.Aber diese Blutegel,pfuiiiii,die müsste ich auch nicht haben. Es ist sooooo spannend durch die tollen Bilder und den guten Bericht,(Kompliment) Miriam,immer zu sehen und lesen wie es Euch geht,und wo Ihr Euch befindet. Auf weitere tolle Erlebnisse,mit möglichst wenig Komplikationen,wünsche ich Euch weiter,GUTE REISE und TOITOITOI. ursula

  2. mypcaminando hoch zwei
    mypcaminando hoch zwei sagte:

    Herzlichen Dank, liebe Ursula. Auch für uns ist es spannend, wem oder was wir immer wieder begegnen, mal erfreulicher und mal eben weniger: das macht eine solche Reise aus! Schön, begleitest du uns auf unserem Abenteuer!
    Liebe Grüsse nach Lozärn, Miriam Patrick Nicola Alexis

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