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Über den Altiplano zum Salar de Uyuni

700 Kilometer, fast 5000 Höhenmeter, Sonnenschein, Minusgrade, ganz viel Staub und noch viel mehr Salz: auf einer Jeeptour fuhren wir durch eine traumhaft schöne Naturkulisse von San Pedro de Atacama zum Salzsee Uyuni.

Tag 1 – Von San Pedro de Atacama (Chile) bis Hostal Hualla Jara (Bolivien)
In Gudrun und Christof aus Österreich haben wir tolle „Reisegspänli“ gefunden und zusammen haben wir die Weiterreise nach Bolivien organisiert. So hiess es nach ein paar Tagen in San Pedro de Atacama wieder Rucksäcke packen und im Zollbüro von Chile den Ausreisestempel holen. Nur fünfzig Minuten später und zweitausend Meter höher erreichten wir in einem Minibus die bolivianische Grenze. Die ersten Klagen über Kopfschmerzen liessen bei der dünnen Luft nicht lange auf sich warten. Wir fühlten uns noch wohl, aber kamen doch merklich ausser Atem, also wir unsere Rucksäcke vom Minibus auf das Dach eines Landcruisers wuchteten.

Unser bolivianischer Fahrer stellte sich als Natalio vor, den engen Platz im Toyota Landcruiser teilten wir vier uns noch mit Begoña und Carlos aus Spanien. Der Toyota war ein 4.5 Liter 6 Zylinder Benzinmotor, Jahrgang 1998. Die Kilometeranzeige zeigte 50’000 Meilen, was wir aber nicht so recht glauben mochten. Insgesamt waren wir in einer Gruppe von vier Toyota Lancruisern unterwegs. Und los ging die holprige Fahrt. Auf der Rückbank mussten wir aufpassen, dass wir bei besonders grossen Schlaglöcher nicht mit dem Kopf an die Decke stiessen. Aber diese Strapaze war schliesslich Teil des Altiplanoabenteuers.

Das Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Avaroa im Ländereck Chile, Argentinien und Bolivien ist bekannt für die sandige Hochlandebene und viele Lagunen. So trafen wir auch kurz nach dem Grenzübergang schon auf die Laguna Blanca und auf die Laguna Verde. Letztere zeigte sich erst in einem tristen grau und änderte plötzlich in ein leuchtendes türkisgrün, als am Nachmittag Wind aufkam. Vorbei ging die Fahrt am Desierto de Dalí, welches mit etwas Fantasie wirklich einem surrealen Werk des spanischen Künstlers ähneln könnte. An der Chalviry Salzlagune und den heissen Quellen von Polque legten wir eine längere Pause ein – leider zusammen mit sicher zwanzig anderen Landcruisern. In das überfüllte Thermalbecken wollten nicht einmal mehr Patrick oder Christof steigen und wir begnügten uns mit einem Spaziergang dem Ufer der Salzlagune.

Wieder zurück im Landcruiser wollten wir schon einen „Trompetenkäfer“ (so nennen die Österreicher einen Furz :-)) beschuldigen, dabei kündigte der Schwefelgeruch lediglich die Sol de Mañana an, ein Feld von Schlamm-Geysiren. In den Erdlöchern brodelte der graue Lavaschlamm, Wasserdampfgemische zischten mehrere Meter hoch aus dem Boden. Einmal mehr spürten wir, wie die Erde unter uns lebte. In der Nähe des Geysirfeldes hatten wir auch den höchsten Punkt unserer bisherigen Reise erreicht: der Höhenmesser an Patricks Uhr zeigte 4931 Meter über Meer. Wir wären gerne noch auf einen Hügel geklettert, nur um einmal 5000 Meter über Meer zu erleben, doch die Puste ging uns vorher aus.

Am späten Nachmittag erreichten wir mitten auf der Hochebene das Hostal Hualla Jara, eine einfache Unterkunft ohne Heizung oder Duschmöglichkeit. Ein Benzingenerator sorgte für Strom bis drei Stunden nach Sonnenuntergang. Gewärmt von einer Gemüsesuppe und Spaghetti legten wir uns im Schlafsack sowie unter mehrere Wolldeckenschichten schlafen.

Tag 2 – Von Hualla Jara bis Villa Alota
Die dünne Luft auf 4800 Meter über Meer machte sich bei allen mit Kopfschmerzen bemerkbar und der zweite Tag begann mit einem Aspirin und, wer welche dabei hatte, mit Coca-Blättern. Die Bolivianer schwören auf dieses natürliche Mittel gegen die Höhenkrankheit. Die Aussentemperatur war in der Nacht auf -15°C gesunken. In unserem 6er-Zimmer fiel die Temperatur zum Glück auch ohne Heizung nicht unter 9°C. Das Warten auf die Weiterfahrt wurde trotz einem Pfannkuchenfrühstücks mit Dulce de Leche zur Qual. Wir waren nämlich eine Stunde zu früh aufgestanden, weil wir die Zeitverschiebung von Chile nach Bolivien nicht mitbekommen hatten, und durften draussen in der Kälte ausharren. Sobald sich die Sonne zeigte, stiegen die Temperaturen wieder auf angenehme 10°C bis 15°C.

Wir steuerten als erstes die Laguna Colorada an. Wunderschön lag sie im Morgenlicht, mal schien das Wasser rot, dann wieder grün und blau, je nach Blickwinkel spiegelten sich die Berge ebenso wie die hunderten von Flamingos. Was für ein Anblick! Nach der Laguna Colorada hielten wir in einer Wüste mit vom Wind in Form geschliffene Steinformationen, wovon einer wie ein Baum aussieht und auch den Namen „Arbol de Piedra“ (Steinbaum) trägt. Weitere Lagunen folgten: die Laguna Honda, die Laguna Chearcota, die Laguna Hedionda und die Laguna Cañapa. Bei der ersten hielten wir zur Mittagspause und unsere Fahrer sowie die Köchin, die mitfuhr, zauberten für uns Reis mit Thunfisch sowie Tomaten- und Gurkensalat aus den Kofferräumen der Jeeps.

Ab da mussten wir von der eigentlichen Route abweichen. Eigentlich würde die Tour über Puerto Chubica führen und danach bei Sonnenaufgang über den grössten Salzsee der Welt, dem Salar de Uyuni. Nach einer besonders starken Regenzeit (Januar bis März) war der Salar jedoch noch immer überschwemmt, so dass wir nicht mit dem Landcruiser durchfahren konnten. Statt dessen übernachten wir in einer heruntergekommenen Hospeje de los Andes im kleinen Dörflein Villa Alto. Von wegen versprochenes beheiztes Doppelzimmer und warme Dusche, für letzteres wurde man noch extra zur Kasse gebeten. Mit Schlafsack und mehreren kiloschweren Wolldecken haben wir nach dem Tag an der frischen Höhenluft trotzdem gut geschlafen. Alle ausser Christof, bei ihm ging die Höhenkrankheit in eine weitere Runde mit migräneartigen Kopfschmerzen und Erbrechen.

Tag 3 – Von Villa Alota zum Salar de Uyuni
Mit der Routenänderung steuerten wir am nächsten Morgen als erstes den Cementerio de Trenes (Zugfriedhof) unweit der Stadt Uyuni an. Dort stehen ausrangierte Dampflokomotiven, die in der Blütezeit des Silberabbaus zwischen Potosí (Bolivien) und Antofagasta (chilenische Hafenstadt) verkehrten und inzwischen von Dieselloks ersetzt wurden. Dieser Zugfriedhof war leider dermassen vermüllt, versprayt und voller Fäkalien, dass sich nicht einmal Miriam als sonstiger Fan von Relikten aus der Vergangenheit dafür begeistern konnte.

Schliesslich warteten wir auch schon gespannt auf den Höhepunkt unserer dreitägigen Tour: dem Salar de Uyuni. Mit einer Fläche von 12’000 km2 ist der Salar etwa ein Viertel so gross wie die Schweiz. Die harte Salzschicht soll zwischen drei und fünf Meter dick sein. Der Salar de Uyuni birgt nicht nur Milliarden Tonnen Salz, sondern ein noch unausgeschöpftes Rohstoffpotential: Lithium. Angeblich streitet sich die Autoindustrie schon um die Abbaurechte.

Vom Dörfchen Colchani fuhren wir noch immer mit dem Landcruiser in den mit einer Wasserschicht bedeckten Salar hinein. Soweit das Auge reichte glänzend nasses Weiss, welches so grell flimmerte, dass einem die Augen schmerzten ohne Sonnenbrille. Im Wasser spiegelte sich das blau des Himmels, als wäre dieser auf die Erde heruntergefallen. Vermummte Arbeiter schichteten das nasse Salz zu Haufen, die sie dann einige Tage trocknen lassen, bevor das Salz auf Lastwagen geschaufelt und zur Weiterverarbeitung zu Speisesalz abtransportiert wird. Aus herausgesägten Salzblöcken werden sogar Gebäude gebaut. Bei einem solchen Hotel de Sal hielten wir zum Mittagsrast und hatten genügend Zeit für Salzkostproben und Fotoexperimente, bevor wir ins Städtchen Uyuni zurückkehrten.

In der 12’000 Seelen Stadt, die vor allem vom Tourismus sowie von Lamazucht (daher auch der Name, der in der Sprache der Aymara „Platz der Lasttiere“ bedeutet) und dem Anbau von Quinoa, einer Hirsenart, lebt, hielt uns nicht viel. Noch am selben Abend stiegen wir in einen Bus nach Potosí. Der hochexplosive Bericht dazu folgt bald…

…Miriam y Patrick

2 Kommentare
  1. Hansueli Widmer
    Hansueli Widmer says:

    Hallo zäme

    Sehr interessant eure Reise. In Gedanken bin ich oft bei euch. Besonders angesprochen hat mich Bolivien, weil ich auch schon am Titicaca-See und den Schilfinseln war. Wünsche euch weiterhin eine gute Reise und viele schöne Erlebnisse.

    Liebe Grüsse
    Hansueli

  2. myp
    myp says:

    ich weis noch als du uns von bolivien kommend in brüssel besucht hast….ist lange her vergesse ich aber nicht,
    bolivien ist echt schön, die menschen sind uns gegenüber etwas reserviert. dafür schlägt die natur und die berge alles.
    liebe grüsse aus ecuador nach schöftle

    pädi

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