«Wenn hämmer de Götti weder?», wollten die Zwillinge wissen, kaum hatten wir ihn von Collingwood aus am Start des Heaphy Tracks ausgeladen. Das dauerte eine ganze Weile, denn während Götti Oliver die 78 km durch den Kahurangi Nationalpark während vier Tagen zu Fuss absolvierte, hiess es für uns mit dem Auto rund 500 km zurücklegen.

Collingwood -> Takaka -> Marahau -> Motueka -> Murchison -> Westport -> Karamea -> Kohaihai -> Westport -> Greymouth -> Franz Josef Glacier -> Fox Glacier -> Gillespies Beach -> Haast

Übernachtet haben wir in folgenden Unterkünften:

Campsite Old MacDonalds Farm Marahau (2 Nächte)
Holiday Park Westport (1 Nacht)
DoC Campsite Kohaihai (1 Nacht)
Motel Aachen Place Greymouth (1 Nacht)
The Duke Backpacker Greymouth (1 Nacht)
DoC Campsite Gillespies Beach (1 Nacht)

Abel Tasman und Umgebung

Zuerst blieben wir noch an der Nordküste in Marahau am Eingang zum Abel Tasman Nationalpark. Das Wetter meinte es für einmal sehr gut mit uns und bei Sonnenschein genossen wir die Vorzüge unseres Campingplatzes Old MacDonalds Farm mit vielen Farm-Tieren. Unter anderem wurden genau am Tag unserer Ankunft zehn entzückende schwarze Ferkelchen geboren, deren Weide wir fortan richtiggehend belagerten. Doch auch die Lamas oder die Henne mit ihren Küken waren eine Freude zum Beobachten.

Bereits vor sechs Jahren waren wir auf eben jenem Campingplatz und nutzen die Nähe zum Nationalparkeingang Abel Tasman als Ausganglage für einen Zweitages-Treck. Daran ist mit zwei Vierjährigen natürlich nicht mehr zu denken, aber die ersten Kilometer des Great Walks sind wir auch diesmal gewandert. Die Gezeiten sind an dieser Nordküste so eindrücklich, dass wir nach einem Mittagessen-Picknick und längerer Spielsequenzen von Nicola und Alexis bei Ebbe über den Sand zurücklaufen konnten, wo vor wenigen Stunden noch das Salzwasser stand.

Nach den Anstrengungen dieser Wanderungen gönnten wir uns beim Food Truck «The Fat Tui» einen fetten und feinen Burger und eine Glace. Das ist schon etwas Besonderes auf unserer Reise in Neuseeland, denn meistens kochen wir selber. Die manchmal fast Schweiz-ähnlichen Preise von Restaurants würde unser Reise-Budget nicht allzu lange verkraften.

Vor einer längeren Fahrt besuchten wir am Morgen noch das Jester House Café etwas ausserhalb von Motueka. Dort konnten wir am Bach zahme Aale mit Speck füttern, wobei eine ziemlich freche Ente den fast blinden Tieren immer versuchte, alles wegzuschnappen. Die zwanzigjährige Café-Katze namens Egypt bekam natürlich vom Speck auch ihren Anteil ab. Besonders schön am Jester House Café war aber der grosse Märchengarten mit Drachen, Eulenhorst und Ritterburg aus Holz in einem Wald. Dort konnten sich Nicola und Alexis mit Begeisterung verweilen, während Patrick und ich auf der Terrasse home made Scones and Tea genossen.

Traumhafter Schwemmholz-Strand mit Kampf-Fliegen

Nach einem langen Fahrtag von 300 km blieben wir eine Nacht in Westport, bevor unser Weg von dort aus nochmals über 100 km Richtung Norden nach Karamea führte. Eine Strecke, die wir einfach so nicht gemacht hätten, hätten wir nicht versprochen, Götti Oliver an seinem Ziel des Heaphy Tracks abzuholen. Dieser eigentliche Umweg bis Kohaihai führte uns an einen der unseres Erachtens schönsten Orte Neuseelands. Direkt am Strand von Kohaihai bauten wir unsere Zelte auf, unternahmen Wanderungen in den nahen Urwald und verbrachten Stunden am Strand mit viel Schwemmholz in allen Formen und Farben, von dem wir am liebsten viel gesammelt und nach Hause geschickt hätten.

Das Wiedersehen mit Götti Oliver freute die Zwillinge auch sehr und damit der Götti nach fünf Tagen ohne Duschen nicht wie von Nicola befürchtet wieder nach Raya riechen würde, hatten wir unsere mitgeführte Solar-Dusche schon aufgefüllt und in der prallen Sonne auf angenehme 35°C aufheizen lassen. Götti Olivers zweiter Wunsch nebst einer Dusche war ein kaltes Bier und dem wurde natürlich auch nachgekommen.

Einziger Negativpunkt an Kohaihai: tausende von Sandflies. Diese aggressiven Viecher, etwa so gross wie die uns bekannten Fruchtfliegen, saugen gerne Blut. Und die Stiche jucken nicht nur ein, zwei Tage wie ein Mückenstich, sondern das brennende Jucken kann während Wochen anhalten und immer wiederkommen. Und wenn plötzlich hunderte Sandflies um einen herumschwirren, einen verfolgen, das Zelt belagern… wir haben komplett angezogen und mit Kapuze gegessen, teilweise sogar stehend, joggend, bewegend im Schwalm diverser Insektenschutzmittel. Und trotzdem haben alle einige Stiche abbekommen. Der von den Sandflies komplett instabile Götti Oliver sprach plötzlich sogar von einer verfrühten Ausreise aus Neuseeland!

Unsere Abreise von Kohaihai am kommenden Morgen war dann auch etwas überstürzt und wir hatten auch im Auto noch während ein paar Kilometern damit zu tun, die mehrere Duzend mitgeführten Sandflies zu erledigen.

Der weitere Umweg über Schotterpisten tief in den Kahurangi Nationalpark in den Wald hinein zum Oparara Bassin lohnte sich auch wieder. Auf einer Wanderung haben wir den Oparara Arch angeschaut. Dieser eindrückliche Kalksteinbogen ist über 200 m lang und 37 m hoch. Ebenfalls konnten wir einige Höhlen besichtigen und ein spiegelglatter See, der Mirror Tarn, glich einer optischen Täuschung, da nicht mehr klar zu erkennen war, wo der richtige Uferwald in das Spiegelbild im See überging. Götti Oliver kannte kein Halten mehr mit seiner Kamera. Auch Nicola und Alexis haben diese Wanderungen gut und gerne mitgemacht, gab es doch entlang des Weges immer genug Stöcke zum Spielen oder Steine zum in den Fluss werfen.

Von Westport bis Fox Glacier nur Regen

Der sonnige Tag in Kohaihai war wohl dieser eine Sommertag an der vorwiegend nassen Westküste der Südinsel Neuseelands. Diesem folgten ein paar Tage mit Kälte und Regen ohne Unterbruch und wir entschieden uns für trockene Unterkünften mit Waschmöglichkeit und Internet. Götti Oliver konnte sich um die Organisation und Planung seiner Weiterreise kümmern. Mit Alexis und Nicola sind solche Regentage eher schwierig, denn unsere Wildnis-Kinder zieht es bei jeder Witterung nach draussen. Spätestens nach einem Film schauen ist genug herumgesessen, Memory spielen wird irgendwann auch langweilig. Alexis mag ausserdem Backpacker-Unterkünfte nicht besonders, es sind einfach zu viele Menschen um uns herum.

Immer noch bei Regen sind wir nach zwei Nächten von Greymouth weiter Richtung Süden gefahren, haben uns den Franz Josef Glacier bei strömendem Regen angeschaut und den Fox Glacier bei den gleichen Wetterbedingungen einfach ausgelassen. Aufhellung gab es erst wieder am Meer, nämlich am wunderschönen Gillespies Beach, den wir auch noch von unserer letzten Reise her kannten. Wo kann man schon am Strand stehen, das Tosen der Wellen im Rücken und beim Blick ins Landesinnere zeigt sich eine Bergkette mit Gletscher? Wunderschön – erst recht wenn man die auch dort vorhandenen Sandflies unerwähnt lässt. Die Zwillinge hatten auch einiges an Spielen nachzuholen. Gut, gab es am Gillespies Beach so viele Stöcke, Holzstämme und Steine und der Schaum der 4 m hohen Wellen liess sich auch gut jagen. So wurde unseren Jungs auch nach Stunden noch nicht langweilig.

Unsere Reise führt nun in die neuseeländischen Alpen, jedoch nur auf Durchfahrt. Uns zieht es auf die Ostseite der Insel wieder an die Küste. Und wenn sich Götti Oliver wegen der Sandflies nicht doch noch kurzfristig für das Verlassen des Landes entscheidet, «hämmerne no es bitzeli» bei uns in Neuseeland.

Verstochen, zerkratzt und immer noch Neuseeland-Fans: Miriam Patrick Nicola Alexis

1 Kommentar
  1. yo de nuevo
    yo de nuevo sagte:

    Das Hostel mit den vielen Tieren klingt ja echt genial 🙂 Herzlichen Dank für’s Teilen und Zeigen, wie immer ist es einfach nur purer Genuss (…auch mit Sandfliegenerzählungen 😉 )

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