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Vom magischen Milford an die nasse Westküste

In der Fjordlandschaft voller Wasserfälle in Milford Sounds fühlten wir uns wie in einer Fantasiewelt, hoch hinaus ging es in den Bergen um Wanaka und die Westküste haben wir im Schnelldurchlauf hinter uns gebracht wegen zu viel Regen und zu vielen Sandfliegen.

Milford Sounds
Spätestens seit „Herr der Ringe“ indirekt für die einzigartigen Landschaften Neuseelands geworben hat, ziehen jährlich mehr Touristen durch das Land als es Einwohner hat. Besonders hoch auf der Beliebtheitsskala steht dabei die Fjordlandschaft um Milford Sounds, wo täglich eine Schlange von Touristenbussen und Mietfahrzeugen die 120 Kilometer lange Sackgasse hinauf und nach einer Rundfahrt im Fjord wieder hinab zieht.

Darum und wegen den damit zusammenhängenden deftigen Preisen wollten wir den Milford Sound und den noch teurere Doubtful Sound zuerst sogar auslassen. Glücklicherweise haben wir uns spontan doch noch für den Milford Sound entschieden. Dem Verkehrsstau sowie dem Preishoch sind wir mit einem Besuch an den Randzeiten ausgewichen: am frühen Morgen vor den Busladungen nach Milford Sounds gefahren, vor dem Mittag eine anderthalb stündige Bootsfahrt unternommen und gleich nach dem Mittag wieder nach Te Anau zurück gekehrt.

Haben sich die 240 Kilometer Autofahrt und die 154 Neuseeland-Dollars für die Kreuzfahrt gelohnt? Es regnete an jenem Tag fast ununterbrochen, die Wolken hingen besonders tief. Nebel waberte durch das Tal. Und wieder wurden wir an die weisen Worte erinnert: es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung! Nun, kleidermässig waren wir gewappnet gegen Wind und Nässe, doch leider brachte das schlechte Wetter auch schlechte Sicht mit sich. Und trotzdem: es hat sich 100% gelohnt!

Wir setzten uns dem kalten Wind und der vollen Regenladung aus und standen während der ganzen Bootsfahrt fast alleine auf dem offenen Oberdeck. Auf beiden Seiten des gefluteten Tales rann Wasser in die Tiefe, hunderte von breiteren und schmaleren Kaskaden, wegen dem anhaltenden Regen womöglich noch viel mehr als sonst. Kleine Rinnsale schlossen sich zusammen zu weiss schäumenden Wassermassen, donnerten die Felswände herab. Manche stürzten tosend neben unserem Boot ins Meerwasser, andere wurden vorher vom Wind zu Sprühregen verweht. Wir fühlten uns wie in einer Fantasiewelt à la Avatar! „Just unreal!“, wie die Neuseeländer sagen würden.

Queenstown und Wanaka

Noch immer verzaubert von der Märchenwelt am Milford Sound fuhren wir die 120 Kilometer wieder zurück bis nach Te Anau. Eine Zitterpartie blieb die Fahrt wegen steilen Passstrassen (die Bremsbeläge unseres Subarus sind abgeschmirgelt und das Reifenprofil ist quasi nicht mehr vorhanden…) und das Benzin reichte mit rot blinkender Anzeige knapp zur Tankstelle in Te Anau. Wir setzten unseren Weg gleich fort nach Central Otago.

Queenstown, der touristischen Hochburg für Adrenalinjunkies und andere lebensmüde Geister, konnten wir nicht viel abgewinnen. Idyllisch eingebettet zwischen Bergkämmen und am Fusse eines tiefblauen Sees mag es schön gelegen sein, doch uns erinnerte es mit den aneinander gereihten Ferienhäusern und Hotelanlagen an einen Schweizer Wintersportort, der sich mit kostspieligem Vergnügen wie Bungee-Jumping, Heli-Hiking, Speedboat bemüht, den lauen Sommer zu überbrücken. Wir sind am Abend eingetroffen, haben die Nacht in einer Backpacker-Unterkunft verbracht und sind am nächsten Morgen früh sogleich weitergezogen. Im nicht weniger malerisch gelegenen Wanaka, dem kleinen nacheifernden „Bruder“ von Queenstown, schien immerhin noch ein Ortskern und ein „Dorfgeist“ vorhanden zu sein.

Über den Haast-Pass

In Wanaka hatten wir uns mit Nahrungsmittel eingedeckt und uns dann aber eine Fahrstunde weiter am Lake Hawea auf dem DOC-Campground Kidds Bush niedergelassen. Erneut ein besonders schöner abgelegener Ort mit Bergsicht und einem spiegelglattem See direkt vor der Zelttür. In den Genuss der vollen Panoramasicht auf den Zeltplatz inmitten dieser Umgebung kamen wir bei einer Wanderung zur Sawayer Burn Hut. Ein anstrengender Aufstieg von mehreren hundert Höhenmeter führte uns über die Baumgrenze und weiter in ein wildes Tal hinein. Auf dieser fünfstündigen Wanderung sind wir keiner Menschenseele begegnet.

Zum ersten Mal seit unserer Ankunft in Neuseeland fiel während drei Tagen in Folge kein Regen! Jeden dieser Tage nutzen wir für eine Wanderung, so auch bei unserer Weiterfahrt vom Lake Hawea über die Haast-Passstrasse an die Westküste. Von den Blue Pools führte unsere Halbtageswanderung im Mount Aspiring National Park das Tal hinunter bis zum Young River Mouth und wieder zurück.

Nasse Westküste

In Haast, dem südlichen Tor zur Westküste, wollten wir uns eigentlich für den zweitägigen Copland Track (34 km) anmelden, doch wegen Aussicht auf heftige Regenfälle und Überschwemmungsgefahr auf eben jenen Pfaden liessen wir es vorsichtshalber bleiben. Die Westküste Neuseelands gilt nicht umsonst als eines der nassesten Gebiete der Welt, da vom Meer herziehenden Wolkenmassen am Bergmassiv entleeren, bevor sie weiter nach Osten ziehen.

Statt dessen fuhren wir von Haast weiter bis auf die Höhe von Fox Glacier und stellten unser Zelt am Gillespie-Strand auf. In eine Richtung blickt man von einem Steinstrand aufs weite Meer hinaus, dreht man sich um und schaut Richtung Landesinnere, kann man die schneebedeckten Berggipfel und den Fox-Gletscher bewundern. Wo hat man das schon: vom Strand aus direkte Sicht auf Schneeberge und Gletscher!

Nicht nur uns gefiel es dort, sondern auch Schwärmen von Sandfliegen fühlen sich heimisch. Wir konnten uns kaum genug mit Insektenmittel besprühen, die kleinen aggressiven Biester fanden immer wieder eine schier unmögliche Hautstelle (zum Beispiel Handfläche, Fingerknöchel, Augendeckel) zum Zubeissen. Zurück bleiben furchtbar juckende Rötungen, die nicht etwa nach ein paar Tagen wieder verschwinden wie Mückenstiche, sondern tagelang immer wieder aufs Neue jucken.

Vom Gillespie-Strand unternahmen wir die Halbtageswanderung an den Galway Beach zu einer Kolonie von Fellrobben. Geduckt hinter Felsen konnten wir die fünfzig bis sechzig Tiere beobachten, wie sie sich auf den Steinen ausruhten oder um einiges wendiger und verspielt im Wasser tollten. Wir hätten Stunden dort bleiben können, doch die dunklen Wolken am Himmel mahnten uns nach fast einer Stunde zu einer rechtzeitigen Rückkehr.

Wie vorgewarnt fiel in den folgenden zwei Tagen besonders viel Regen. Bei eben jenem Wetter hielten wir am Franz Josef Gletscher, der uns als Gletscher verwöhnte Schweizer jedoch nicht zu beeindrucken vermochte. Mit den Wanderkilometer der letzten Tage in den Beinen und dem strömenden Regen haben wir uns nicht einmal die Mühe gemacht, den stündigen Marsch zum Eis auf uns zu nehmen. Ein Blick aus der Ferne reichte uns. Interessant schien uns lediglich, dass dieser Gletscher im Gegensatz zu denen in Europa immer noch Wachstumsschübe hat und besonders ist auch, dass die Vegetation vom Regenwald direkt in ein Gletschertal übergeht.

Eine weitere Regennacht verbrachten wir in einem Hostel in Greymouth, der grössten Siedlung an der Westküste. Dort gab es sogar wieder einen Mac Donalds! Leider aber keinen Pak ’n‘ Safe, so dass wir unsere Vorräte erneut im etwas teureren New World-Supermarkt aufstocken mussten.

Am folgenden Morgen war die Sonne zwar noch nicht zurückgekehrt, aber immerhin regnet es nicht mehr. Wir setzten unseren Weg Richtung Norden fort und hielten nur kurz in Punaikaki bei den Pancake Rocks, den Pfannkuchen-Felsen. Diese speziellen Formen entstanden durch unterschiedlich schnelle Erosion des Kalksteins und muss bei Flut besonders beeindruckend sein, weil dann die hohen Wellen in Höhlen eindringen und durch ein Loch im Felsen bis 20 Meter senkrecht in die Höhe geschossen werden. Während unserem Besuch herrschte Ebbe, also bot sich uns ein nicht ganz so spektakuläres Schauspiel.

Die Westküste haben wir wegen nassem Wetter schneller hinter uns gelassen, als uns eigentlich lieb war. Aber Neuseeland hat noch so viel zu bieten und während an der Westküste die höchste Regenmenge – 10 Mal mehr als an der Ostküste um Christchurch – fällt, soll der Norden der Südinsel angeblich die meisten Sonnenstunden haben. Nichts wie hin!

Miriam y Patrick

6 Kommentare
  1. myp
    myp says:

    …Mr. Miagi hat ueberhaupt noch die eine oder andere Marotte, die wir in Japan kennengelernt hatten, zum Beispiel den Motor aufheulen lassen und so (der Subaru hat sogar einen extra Power-Schalter)! Aber ich glaube, das Publikum wie in Japan fehlt ihm, ich kann nicht so sehr drueber lachen wie du und bin wohl auch nicht ganz so ein guter Co-Pilot wie Stella es war ;-)!
    Miriam

  2. Mättu
    Mättu says:

    Oje so schlimm? 🙂 Ja das Motoraufheulen in Japan war cool vorallem die Gesichter der Japaner zu sehen wie sie rüberschauten und vorallem Haare sahen 😉

  3. myp
    myp says:

    Liebe Diana, wir hatten Glück, wir waren nicht in Christchurch zum Zeitpunkt des Erdbebens. Wenn man bedenkt, dass wir unser Mietauto zuerst nur 3 Wochen übernehmen wollten, dann wären wir genau gestern da gewesen! Spontan hatten wir uns dann aber für 4 Wochen entschieden und sollten somit erst in ein paar Tagen dorthin. Wie das Leben manchmal so spielt…
    Liebe Grüsse, Miriam

  4. yo
    yo says:

    und wieder einmal wunderschöne bilder und geschichten. bin, wie immer, schwer beeindruckt:)!!! *knuddelwuddel*

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