Von 0 auf 4095 Meter

Wir haben den ersten Viertausender bestiegen! Und zwar nicht die Dufourspitze oder das Matterhorn, wie es sich für einen Schweizer gehören würde, sondern den Mount Kinabalu in der Provinz Sabah, Malaysia.

In Kota Kinabalu standen wir am Morgen früh an der Busstation, von wo aus angeblich alle Viertelstunde eine Verbindung am Kinabalu Park vorbei führen sollte. Ausser natürlich an jenem Weihnachtstag morgen. Geschlagene zwei Stunden warteten wir und als endlich ein kleiner Minibus vorfuhr, stürmten sämtliche Einheimische darauf los und wir hatten keinen Platz mehr. Glücklicherweise folgten dann gleich mehrere Busse nach Ranau und in einem fanden auch wir Platz – zum Feiertagstarif von 20 malaysische Ringgit (ca. 6.20 CHF) statt den normalen 15 MR. Die Fahrt dauerte zwei Stunden und führte uns zum Kota Kinabalu Park.

In unmittelbarer Nähe zum Parkeingang fanden wir einen zahlbaren Unterschlupf in einem mit Betten vollgestopften Dorm der D’Villa Rina Ria Lodge. Von den zwölf Betten waren acht belegt, davon eines mit einem chinesischen Gast, der während der Nacht den halben Urwald von Borneo abholzte. Auf unserer Reise haben wir ja schon einige Schnarcher erlebt in den Nachtzügen und Dorms, aber jemand, der so laut schnarcht, noch nie. Da nützten Oropax nicht, ab 2 Uhr in der Nacht lagen wir wach. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für die Wanderung am nächsten Tag.

Trotzdem frohen Mutes trafen wir uns beim Headquarter des Kinabalu Parks mit dem uns zugewiesenen Guide Din. Einheimische dürfen ohne Guide wandern, für uns Ausländer ist die vergleichsweise teure Begleitung durch einen Lokalen vorgeschrieben. Din sprach kaum Englisch, wies uns auch auf keine spezielle Fauna und Flora hin, wie man das von einem Guide erwarten würde, sondern lief lediglich in einem gewissen Abstand schweigend hinter uns her.

Wir sollten über den 8.8 Kilometer langen Summit Trail zum Gipfel gelangen. Eigentlich ein Klacks, könnte man meinen, wären da nicht die 2200 Höhenmeter zu überwinden. Ausserdem ist der Summit Trail kein Wanderweg, wie wir ihn aus unserer Heimat kennen, wo der eine Schlenker in die nächste Kurve führt. Nein, der Summit Trail führt vom Timpohon Gate auf 1866 Meter auf dem kürzesten und entsprechend steilen Weg direkt zum Gipfel auf 4095 Meter. Wie lange wir insgesamt für diesen Aufstieg gebraucht haben, sollt ihr bei Win Malaysia schätzen.

Wir wanderten über steinige Pfade durch dichten Dschungel mit riesigen Farnen, der bald einmal in knorrige Wurzelbäume und moosigen, mit Flechten bedeckten Boden überging. Tiere sahen wir kaum, nur ab und zu Vögel und bei den Wasserquellen mit Sitzgelegenheiten wartete ab und zu ein Eichhörnchen darauf, vom Lunchpaket der Wanderer etwas abzubekommen.

Der Weg bestand hauptsächlich aus in Felsen gehauene und mit Holzbrettern stabilisierten Stufen, einige höher als die anderen, was den Aufstieg zwar abwechslungsreich, aber auch anstrengend machte. Dazu kam die hohe Luftfeuchtigkeit, die ab dem 3000. Höhenmeter in Regen umschlug. Patrick hatte sein erstes T-Shirt innert Kürze nass geschwitzt und auch Miriams Kleidung blieb nicht trocken. In der Höhe wurde es bald empfindlich kalt.

So früh wie wir am Morgen losgelaufen waren, trafen wir als erste im Zwischenlager Laban Rata auf 3273 Meter ein. Leider war unsere Unterkunft nicht geheizt und die Dusche lieferte nur kaltes Wasser, so dass wir uns frierend und mit Schlafmangel von der vorherigen Nacht schon am Nachmittag ins Bett verkrochen. Nach einem frühen Nachtessen und wunderschönem Sonnenuntergang gingen wir schlafen, denn die Nacht sollte kurz werden.

Nach dem Frieren am Vortag standen wir nachts um zwei mit Schnupfen, Halsschmerzen und Fieber auf, dopten uns mit einem Aspirin und machten uns dann mit Taschenlampen auf den Weg, Din, der für den steilsten Teil der Wanderung seine Turnschuhe gegen Crocs eingetauscht hatte, wieder dicht hinter uns her. Die Umgebung konnten wir in der Dunkelheit nur erahnen, im Kegel der Taschenlampe mussten wir uns darauf konzentrieren, wo wir hintraten. Als wir die Baumgrenze hinter uns gelassen hatten, leuchtete uns der Mond den Weg auf dem weisslichen Felsen.

Die dünne Luft und der kalte Wind machten uns zu schaffen. Beim Aufbruch hatten wir die japanische Gruppe, die ausgerüstet war, als würde sie zu einer mehrtägigen Nordpolexpedition aufbrechen, noch müde belächelt, doch in jenem Augenblick hätten wir doch auch gerne ihre Handschuhe und dickere Hosen gehabt!

Teilweise war es so steil und rutschig auf den Felsen, dass man sich an einem Seil hochziehen musste. Die letzten fünfhundert Meter forderten uns bis ins Letzte, völlig ausser Atem und mit den Umrissen des Gipfels vor Augen machen wir noch schnell eine letzte Verschnaufpause, dann noch eine allerletzte und doch noch eine kurze und dann standen wir oben, auf 4095 Meter über Meer. In der Ferne sahen wir die Lichter unseres Ausgangsortes Kota Kinabalu auf 0 Meter über Meer glitzern. Ansonsten umgab uns Dunkelheit.

Eigentlich sollten wir vom Low’s Peak aus den Sonnenaufgang sehen, doch dafür waren wir zu früh. Unser Triumphgefühl konnte nicht gegen die Kälte anhalten und die halbe Stunde Warten auf den Sonnenaufgang wurde richtig zur Qual. Zitternd vor Kälte suchten wir hinter Felsspitzen Schutz vor dem eisigen Wind, entschieden uns dann zu einem früheren Abstieg. Den Sonnenaufgang über den mit Nebelschwaden durchzogenen Tälern von Borneo sahen wir auch von weiter unten.

In unserem Zwischenlager Laban Rata nahmen wir um 8 Uhr ein zweites Frühstück zu uns und machten uns nachher sogleich an den Abstieg. Das Bergab laufen fordert seinen Tribut, die Oberschenkel und Waden schmerzen, die Knie wurden immer weicher. Miriam fühlte sich immer schwächer, das Fieber war zurück. Angekommen am Parkausgang, konnten wir in einem Bus gerade noch einen Sitzplatz auf der Treppe ergattern und kehrten erschöpft ins Akinabalu Hostel in Kota Kinabalu zurück.

Dass sich unser Zimmer nur über Treppen zu erreichen im dritten Stock befand, sollte uns noch leid tun. Wir verlängerten unseren Aufenthalt in Kota Kinabalu gleich um zwei Nächte, um unsere müden Beine auszuruhen und unsere Erkältung auszukurieren. Dass uns vorher nicht aufgefallen war, wie hoch die Bürgersteige in der Stadt sind? Und die anderen Mount Kinabalu-Besteiger erkannten wir am gleichen quälend langsamen Gang, besonders beim Treppen steigen :-).

Immer noch leidend, aber auch stolz: Miriam y Patrick

6 Kommentare
  1. Annelies
    Annelies says:

    Oh ihr tut mir leid! Wünsche Miriam gute Besserung.
    Liebe Grüsse aus der kalten verschneiten Schweiz.

  2. Diana
    Diana says:

    Ich wünsche euch in jedem Falle ein glückliches, erlebnisreiches und vor allem gesundes neues Jahr 2011!
    Diana

  3. Annemarie
    Annemarie says:

    Oh je ich hoffe ihr habt euch wieder erholt und die Erkältung ist auch mehr oder weniger auskuriert. Noch gute Besserung und happy new year. Bei euch schon 2011 nehme ich an. Liebe Grüsse
    Gotti A.

  4. myp
    myp says:

    Danke euch allen! Meine Abwehrkräfte sind wohl nicht mehr die besten, dass ich alle paar Wochen wieder krank bin :-(!
    Und ja, wir sind 7 Stunden vor euch ins neue Jahr gerutscht! Ein glückliches 2011 auch für euch! :-*
    Miriam

  5. michu
    michu says:

    hoi zäme

    has äntlech weder emou gschaft öichi site z’bsueche!
    ich gratuliere öich zom 4000er, so we der das gmacht händ chasch es ide schwiiz ned 0-4095müM RESPEKT!
    ich hoffe schwär das der öich guet erholet ond gsond chönet wiiter mache!

    lg mechle

  6. yo
    yo says:

    wooooooooow, chapeau, wirklich!!! bin absolut stolz auf euch für diese leistung:)!!! miriam – viele früchte essen und genug schlafen:( – hoffe es geht wieder gut!!! *knuddel*

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