Von Puerto Natales zurück nach Santiago

Diese fast zwei Wochen Rückreise nach Santiago lassen sich auch zusammenfassen mit: auskurieren, kochen, jassen, Film schauen, Haare schneiden, abrocken.

Mit dem Bus sind wir an einem Tag von El Chaltén über El Calafate nach Puerto Natales zurückgekehrt. Die Einreise von Nachbarländern nach Chile verläuft etwas strikter als umgekehrt. Zum Beispiel müssen sämtliche Lebensmittel deklariert werden, Milchprodukte, Obst und Gemüse, Fleisch und Fleischwaren, sowie für Pflanzen, Pflanzenteile und Saatgut dürfen nicht eingeführt werden. Dafür wird das ganze Gepäck gescannt. Als wir am Abend am chilenischen Zoll hielten, lag das Gebäude in der Dunkelheit. Ein Stromausfall. Scannen war somit nicht möglich und die Zollbeamten leuchteten mit Taschenlampen umher und griffen mehr schlecht als recht in unser Rucksäcke. Uns sollte es recht sein, die Prozedur dauerte nicht lange.

In Puerto Natales sind wir wieder im Hostal Kawaskar abgestiegen. Die nasskalten Tage haben wir mit einem Buch unter der Daunendecke, neben dem Elektroofen im Fernsehzimmer oder in der Küche neben dem geheizten Ofen verbracht. Es galt, unsere Erkältung aus dem windigen El Chalten mit genug Wärme und heisser Zitrone auszukurieren. Ebenfalls die Wärme suchten Anouk und Thomas, ein Schweizer Paar, die eine Woche auf die günstigere Fähre (ab April ist günstigere Nebensaison) warteten.

Zwischen uns vier „Langzeit-Gästen“ hat sich bald die Routine eingespielt, dass wir gemeinsam Dinner-Abende veranstalteten, indem wir einander bekochten mit Apéro, Hauptspeise, Dessert, begleitet von entsprechendem Bier, Wein und Drinks. Wir kochten zum Beispiel einmal Kartoffelstock und Rindsgeschnetzeltem in einer Weisswein-Pilzsauce und die selbstgemachte Rösti sowie die Brustspitze an einer Barbecue-Sauce von Anouk und Thomas sind uns immer noch in bester Erinnerung. Die Abende liessen wir jeweils ausklingen mit einer Schieber-Jass-Partie. Wobei wir den beiden Wallisern das Jassen zuerst noch beibringen mussten! Die Schieber-Partie Anouk-Patrick und Miriam-Thomas war dafür recht ausgeglichen. Ja, diese gemütlichen WG-Tage mit den Wallisern haben Bauch und Seele gut getan!

In Punta Arenas hatten wir wieder in der Hospedaje Magallanes gebucht. Punta Arenas kannten wir ja bereits. Etwas vom Besten für uns war das Kino. Während in der Schweiz ein Kinoeintritt kaum mehr unter 14 CHF zu bekommen ist, kostete der in Punta Arenas gerade mal 2 CHF (1000 chilenische Pesos). Wir haben uns zwei Filme angeschaut: in der Kindervorstellung „Rango“ auf spanisch und einmal „The King’s Speech“ am Abend. In Chile werden nur Kinderfilme ins Spanische übersetzt, alle übrigen werden in der Originalsprache mit spanischen Untertiteln ausgestrahlt. Perfekt für uns!

In Punta Arenas waren wir nicht nur im Kino, sondern auch beim Friseur. Miriam liess sich die kaputten Haarspitzen schneiden und Patrick seinen ausgefransten Bart wieder in Form bringen. Ein Service wie zu Hause mit einem Friseur, der in Punta Arenas aufgewachsen war, sich in den vereinigten Staaten ausbilden liess und später zu einer Rückkehr nach Chile gezwungen war. Eine spannende Lebensgeschichte!

Mitten in der Nacht sind wir wieder mit LAN Chile nach Santiago zurückgeflogen und durften erneut bei Karla und Renato wohnen. Dort fühlten wir uns schon richtig zu Hause und wir haben die letzten Tage mit ihnen sehr genossen. Auch beim zweijährigen Renato standen wir so hoch im Kurs, dass er immer mit uns spielen wollte und sich problemlos von uns zur in die Kinderkrippe bringen liess.

Ein Wiedersehen in Santiago gab es nicht nur mit Karla und Renato, sondern auch mit Gudrun und Christof, die zwei Österreicher, die wir in El Chaltén kennengelernt hatten. Sie hatten extra ihre Reiseroute angepasst, um am 10. April in Santiago sein zu können. Aber nicht in erster Linie wegen uns, sondern wegen Bruce Dickinson, dem Sänger der Heavy Metal Band Iron Maiden. Wir hatten ihnen erzählt, dass wir uns schon bei unserem ersten Besuch in Santiago Konzertkarten besorgt hatten, nachdem Patricks erste Kassette – damals gab es noch keine CDs – „Fear of the Dark“ von Iron Maiden war.

So kam es, dass im Estadio Nacional unter 45’000 tobenden Chilenen mit gehörnter Hand noch zwei Österreicher und wir zwei Schweizer standen. Ein Konzerterlebnis mit viel Geschrei wie „CHI-CHI-CHI LE-LE-LE VIVA CHILE“ oder „olé olé olé olé – CHILE, CHILE“. Angestachelt wurde die Stimmung noch mit der Ankündigung, dass das Konzert für die Live-DVD der „Final Frontier“-Tour gefilmt wurde. Wenn ihr also in der schwarzgekleideten Menge noch jemanden in violett und orange gestreift seht: das sind wir – mangels Kleidungsalternativen. Aber in der Nacht sind bekanntlich alle Katzen schwarz!

Spätestens das Konzert hat uns mit den Österreichern so zusammengeschweisst, dass sie spontan beschlossen, mit uns weiter zu reisen. Gudrun und Christof sind auf einer fünfmonatigen Südamerika-Reise (bisher in Brasilien, Argentinien, Chile) und reisen nun mit uns weiter nach Atacama und dann nach Bolivien. ¡Bacán!

Miriam y Patrick

3 Kommentare
  1. yo
    yo says:

    tolle berichte:)! und nette leute die ihr da immer wieder trefft:-) am liebsten hätte ich natürlich einen spezial-bericht über das konzert;-) (mirle: etwa im HK tischi…?! *gggggggg*:)!!!) – lasst es euch gut gehen – das klingt alles priiiiiiiiima:)!!!

  2. myp
    myp says:

    sooooo viel anders als in unserer Heimat war das Konzert gar nicht und ansonsten dann die Iron Maiden „Final Frontier Tour“-DVD schauen ;-)! Ich hatte übrigens nicht das HK-Tischi an, sondern bei der Wahl zwischen dem rosa Merino-Jäggli und dem violett-grünen Mammut-Jäggli habe ich mich dann doch für letzteres entschieden!
    :-* Miriam

  3. Mättu
    Mättu says:

    Merci für das tolle David Hasselhof Foto 🙂 Der Typ war auch schon überall he he he.

    Gruss aus der Provence

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