Von Tokyo nach Kyoto

Was muss man von Japan gesehen haben, wenn man knapp zwei Wochen Zeit und ein Mietauto zur Verfügung hat? Wir entschieden uns für den Südwesten Richtung Honshu, für einen Mix aus Natur, Geschichte und Kultur.

Als erstes steuerten wir den Fuji an, mit 3776 Meter der höchste Berg Japans. Am Gipfel konnten wir bereits einzelne Schneefelder erkennen, wenn es auch nicht der berühmte weisse Zuckerguss war, mit dem der Fuji-San auf sämtlichen Souvenirs gerne abgebildet wird. Wir fuhren durch die Region der fünf Seen und bewunderten die fantasievollen Pedalo-Boote mit Entenaufsatz. Durch ein Waldstück wanderten wir zu einem Aussichtspunkt hoch mit wunderschönem Blick auf den Fuji, umringt von Nebelschwaden, und die umliegenden bewaldeten Hügelketten bereits im Abendlicht. Auf fast 1000 Meter ü. M. waren die Temperaturen einiges kälter als noch am Morgen in Tokyo.

Das Navigationssystem führte uns nach Shizuoka City und in der nächsten grossen Stadt, Shimada, fanden wir schliesslich eine Übernachtungsmöglichkeit. Am folgenden Tag fuhren wir weiter der Küste entlang, bestaunten von der Autobahn aus die Industriestädte Nagoya, Suzuka und Toyota-City. An Nagoyas Hafen standen tausende Neuwagen bereit für die Seefracht. Weiter der Küste entlang in Ise bogen wir ab ans Meer, ursprünglich auf der Suche nach den Wedded Rocks, die wir aber nicht fanden. Was unsere Freude aber nicht weiter trübte, denn nach fast drei Monaten unterwegs standen wir zum ersten Mal an einem Sandstrand am Meer, was uns richtig übermütig und euphorisch stimmte.

In Ise haben wir uns erneut bei verschiedenen Hotels durchgefragt und schliesslich in einem Business Hotel mitten im Ort übernachtet. Am nächsten Morgen konnten wir zu Fuss den Geku-Schrein besuchen, einen der bedeutendsten Shinto-Schreine Japans, wo gerade eine Zeremonie statt fand. Durch Nebel und Regen ging die Autofahrt dann weiter nach Nara, ein weiterer kulturell vielseitiger Ort. Im Todaiji-Tempel sitzt ein über 16 Meter grosser Buddha in einer Lotusblüte. Für dessen Erbauung wurden 437 Tonnen Bronze und 130 Kilogramm Gold verwendet. Besonders entzückt waren wir aber von den zahlreichen Rehen, die frei im Nara Park herumlaufen. Sie gelten als heilig und da sie tagtäglich von unzähligen Touristen gefüttert werden, haben sie ihre Scheu vor Menschen fast gänzlich verloren. Hätte es an jenem Nachmittag nicht in Strömen geregnet, wären wir sicher noch etwas länger in Nara geblieben.

Unsere nächste Station hiess Kyoto, wo wir etwas länger an einem Ort bleiben wollten. Im Zentrum der Stadt fanden wir eine passende Unterkunft für drei Nächte mit dem einzigen Nachteil, dass die Parkgebühren für das Auto noch einmal so viel kosteten wie eine Unterkunft für eine Person. Stella und Matthias gönnten sich ein Doppelzimmer und wir nutzten eine ganz neue Übernachtungsmöglichkeit: Kapseln. Man kann sich das wie in einem grossen Schlafraum vorstellen, nur dass statt Etagenbetten mehrere doppelstöckige „Kapsel-Kammern“ zur Verfügung stehen, die sich mit einem Rollladen schliessen lassen. So hat jede Person ihre eigene Kapsel mit Lüftung, Licht und sogar Fernseher, was viel mehr Privatsphäre ermöglicht als ein Bett in einem offenen Raum. Die Kapseln im Capsule Ryokan Kyoto waren auf japanische Art ausgestattet, das heisst mit Tatami-Matten und einer dünnen Futon-Matratze. Man fühlt sich in der Kapsel ein wenig wie in einer kuscheligen Höhle und wir haben bestens geschlafen.

Kyoto ist die Stadt der Gärten und Tempelanlagen, von denen wir einige besucht haben.
Im kaiserlichen Garten trafen wir auf mehrere Katzen und fette Karpfen im Teich. Vom Kaiserpalast selber sahen wir nicht viel, erneut schützte eine hohe Mauer vor neugierigen Blicken. Die Mauer ist zusätzlich mit Lichtschranken gesichert, wie wir feststellen mussten. Stella war beim Fotografieren zu nahe an ein Tor getreten, worauf sofort ein Alarm einsetzte, japanische Anweisungen über Lautsprecher loslegten und kurze Zeit später ein Polizeiauto um die Ecke bog. Wir sind möglichst unauffällig davongeschlendert und als die Polizei keinen Eindringling am Tor vorfand, zog sie nach einer Weile auch wieder von dannen.

An einem weiteren Regentag waren wir in der Daitokuji-Tempelanlage mit wunderschönen Gärten, deren Muster im Kiesbeet durch die Nässe noch schöner zur Geltung kamen. Auch der Chion-In-Tempel nahe dem Maruyama-Park hat uns mit dem grössten hölzernen Tempeltor Japans beeindruckt. Am besten gefallen haben uns aber die Fushimi Inari Schreine, wo hunderte von orange-schwarzen Holzbogen eine Art Tunnel formen, welcher sich auf 4 Kilometer über bewaldete Hügel zieht. Der Fushimi Inari Taisha wurde im 8. Jahrhundert zu Ehren der Reis- und Sakegötter erbaut und auf den Friedhöfen stehen nebst Miniaturtorbogen auch steinerne Fuchsskulpturen. Der Fuchs gilt als Bote von Inari, dem Reisgott. Als wir an jenem Morgen durch die Tore und über die Friedhöfe spazierten, schien die Sonne durch den Blätterwald und warf geheimnisvolle Schatten durch die Torbogen, brachte Spinnweben zum glitzern und Lichter auf dem Waldboden zum tanzen. Eine nahezu magische Stimmung!

Von Kyoto aus fahren wir weg von den grossen Städten weiter an die Küste zum japanischen Meer. Bis bald, sayonara!

Miriam y Patrick

3 Kommentare
  1. michu
    michu says:

    kon’nichiwa

    i ha förmlech die angscht gspürt wo das arme rehli gha het wo de pädu gschtreichlet het. das arme den het doch gmeint das seig e bär!!!

    oku no kofuku to oku no tanoshii

  2. vo de Gotte
    vo de Gotte says:

    Pädi, wir gratulieren dir ganz herzlich zum Geburtstag!!!
    Wir freuen uns an euren Fotos und intressanten Reiseberichten, SUPER!
    Alles Gute,weiterhin viel Spass am reisen.
    Liebe Grüsse Theres,Sepp und Ronja

  3. vo frick
    vo frick says:

    liebe päddi
    mer gratuliere der au no ganz härzlech zom geburi!!

    mer verfolge euchi reis au es betz ond freue eus emmer ade loschtige föteli ond de intressante brecht!!

    liebi grüess vo de ganze familie schmid

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