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Von Ulaan Baatar nach Beijing

Die letzten drei Tage in Ulaan Baatar nutzten wir vor allem, um alles Mögliche zu organisieren, einzukaufen, wieder einmal Kleider zu waschen und die Zeit mit Nara zu geniessen. Dann startete die dritte und für uns letzte Etappe der transsibirischen Eisenbahn.

Zurück in Ulaan Baatar wurden wir von Nara eingeladen, für diese letzten Tage in ihrer Wohnung zu wohnen. Mit dem Schlafsack auf dem Fussbodenteppich ihres Wohnzimmers lagen wir weicher als in mancher Jurte, wo die dünne Matratze den Holzbrett-Untergrund oft nicht wirklich zu dämpfen vermochte. Internet, eine Waschmaschine, eine Dusche mit warmem Wasser und eine saubere Toilette mit frotteebezogenem Sitzring (!) – ein wahrer Luxus für uns!

Und dann die kulinarische Überraschung schlechthin: Raclette! Nara selber mag den geschmolzenen Schweizer Käse so sehr, dass Carlos ihr jedes Mal davon aus der Schweiz mitbringt. Patrick, inzwischen so ausgehungert nach Raclette, hätte den Vorrat am liebsten aufgegessen. Dazu eingekauft haben wir übrigens Essiggurken Thüringer Art („Gurken wie gewachsen mit sauren Gurken“ – den Slogan haben wir bis heute nicht verstanden). Die Mongolei importiert sehr viele Produkte aus Deutschland und hat auch die Bierbraukunst in Deutschland erlernt. In Ulaan Baatar gibt es mehrere Biergärten, wer hätte das erwartet! Das Abschiedsessen mit Nara haben wir dann trotzdem bei mongolischem Bier in einem Irish Pub gefeiert.

Ja, schon war wieder die Zeit gekommen, von einer wunderschönen Mongolei und einer lieben Freundin Abschied zu nehmen. Nara brachte uns mit einem privaten Taxi (= man hält irgend ein privates Auto an und zahlt pro Kilometer 500 Tugrik) am Sonntag Morgenf rüh zum Bahnhof.

Diesmal waren wir in einem Zug mit fast ausschliesslich Touristen. In unserem Wagon war eine grosse Reisegruppe aus Holland untergebracht, unser 4er-Abteil teilten wir uns mit deren Reiseleiter Sylvester und einem deutschen Reisenden Dietmar. Zwar wären wir gerne einmal mit Einheimischen zusammen gereist, aber die Gesellschaft der beiden Herren aus Europa war auch sehr interessant und amüsant, zumal beide schon weit gereist waren und einige Anekdoten auf Lager hatten.

Die Begleitung der russischen Züge lag komplett in Hand der Frauen (Provodnitsas), diesmal hatten wir einen chinesischen Zug und dieser wurde ausschliesslich von Männern betreut. Die ersten zehn Stunden fuhren wir durch die mongolische Steppe und die Wüste Gobi, karge und doch wunderschöne Landschaftsstriche, wie wir sie während unserer Rundreise auch erleben durften. Beim Eindunkeln erreichten wir die mongolisch-chinesische Grenze.

Dieser Stopp war im Unterschied zu dem an der russisch-mongolischen Grenze nicht nur von Bürokratie geprägt, sondern bot für Eisenbahnfreunde etwas richtig Spannendes. In der Mongolei genau so wie in Russland fährt der Zug auf einer breiteren Gleisspur als wir das bei uns kennen. Auch die Schienen in China haben den europäischen Standard und so muss vor der Einfahrt nach China an jedem Zug das Fahrgestell gewechselt werden.

Bei Ankunft in Erlian, dem chinesischen Grenzbahnhof, wurde nach einer äusserst effizienten Passkontrolle unser ganzer Zug rangiert und in eine Halle gefahren. Dort wurde jeder Wagon einzeln von einem Lift hochgehoben und so das Fahrgestell gewechselt. Wir Zuggäste durften während der Prozedur nicht aussteigen und konnten alles am Wagon auf dem gegenüberliegenden Lift mitverfolgen. Der Fahrgestellwechsel dauerte pro Wagen nur 20 Minuten, das Hochheben mit dem Lift geschah so sanft, dass wir es gar nicht spürten. Dafür wurden wir fast vom Sitzplatz geschleudert, als die Wagons wieder zusammengefügt und auf den Gleisen zur Weiterfahrt rangiert wurde. Auf den chinesischen Fahrgestellen fuhr der Zug dann um einiges ruhiger und leiser als vorher und wir konnten noch ein paar Stunden schlafen.

Am nächsten Morgen begrüsste uns ein verregnetes China. Wir fuhren durch nebelverhangene Gebirge und wenn wir nicht gerade in einem Tunnel Berge durchquerten, konnten wir viele Kohleminen und Kraftwerke sehen sowie auf den Gleisen immer wieder Güterwagen mit Steinkohle und Rohöl, die wohl zwischen der Mongolei oder Russland und China verkehrten. Eine Nation mit über einer Milliarde Einwohner braucht schliesslich einiges an Energie!

Rund eine Stunde vor der Ankunftszeit kündigten sich bereits Vororte von Beijing an. Was für eine gigantische Stadt! In der Beijing Railway Station mitten im Stadtzentrum endete unsere Reise mit dem Transsibir-Express. 7622 Kilometer Eisenbahnstrecke, drei Länder, zwei Kontinente – unzählbare Eindrücke nehmen wir mit.

Nun tauchen wir für einen Monat ins bunte, quirlige und aufstrebende China ein!

Miriam y Patrick

2 Kommentare
  1. Duy
    Duy says:

    Salut Miriam und Patrick!
    Lovely Fotoset! 🙂 hope you have a good time to enjoy and discover china!
    Also, Thanks for the lovely postcard and the touching message!!!

    Salutation de Berne! (et bientot ailleurs 😉 – je vous tiens au courant!)
    D.

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