Schon alleine der Anblick des leuchtenden Sternenhimmels mit deutlich erkennbarer Milchstrasse war die Reise nach Namibia wert! Aber erst einmal der Reihe nach, wie wir von Namibias Hauptstadt überhaupt weiter unter den freien Sternenhimmel kamen.

Mit British Airways sind wir für 150 CHF in zwei Stunden von Johannesburg nach Windhoek geflogen. Gleich am Flughafen nahmen wir unseren eigenen fahrbaren Untersatz entgegen, einen Nashorn-grauen Chevrolet Spark, ein Kleinwagen ohne jeglichen Schnickschnack. Um eine ungefähre Vorstellung des Autos zu vermitteln, ist schneller aufgezählt, was es alles nicht hat: kein Allradantrieb, keine Servolenkung oder Zentralverriegelung, keine elektronische Fensterheber, kein Airbag. Dafür ein 0,8Liter, 3-Zylinder-Motor, 60PS, abgelatschte Vorderreifen.

Beim Anblick dieses einfachen Gefährts zwischen all den 4×4 Landcruiser, Landrover und Safari-Trucks waren wir erst etwas verunsichert über unsere Wahl. Doch Namibias Strassen stellten sich als besser heraus als erwartet und für unsere Reise reicht das Auto allemal. Ausserdem kostet uns der Nashorn-graue Chevi Spark für die zwei Wochen auch nur rund 260 CHF (reserviert über www.autoeurope.com, abgeholt bei Hertz) und möchte man der Tankanzeige Glauben schenken, läge der Verbrauch bei 0,5l auf 100 Kilometer. Was gar nicht sein kann und weshalb wir bei jeder Gelegenheit voll tanken, da mit der Tankanzeige definitiv etwas nicht stimmt.

Einen Tag blieben wir in Windhoek, um unsere zwei verfügbaren Wochen in Namibia zu planen, die Übernachtungen in den wichtigsten Nationalparks zu reservieren (das läuft alles über das NWR-Büro, Namibian Wildlife Resorts) sowie Campinggas und Essensvorräte zu kaufen. Am Montag fuhren wir dann los Richtung Norden.

Waterberg Plateau Park

Zweihundert Meter überragt ein markanter Tafelberg die Umgebung und das 40’500 ha grossen Plateau steht heute unter Nationalparkschutz. Statt zerstörerische Elefanten oder räuberische Löwen tummeln sich auf diesem Lebensraum vor allem vom Aussterben bedrohte Vögel, Gazellenarten, Kap-Büffel und Nashörner. Mit dem eigenen Fahrzeug ist der Parkeintritt verwehrt und so stiegen wir zu Fuss auf das Plateau und unternahmen einen „Game Drive“ mit dem lokalen Ranger. Bei den Wasser- und Salzstellen trafen wir auf Büffel, Kudu, Eland, Roan und Zebu. Ein fortpflanzungsfähiges Zebu kostet 400’000 Namibian Dollars (ca. 40’000 CHF). Da kann man sich nur ansatzweise vorstellen, was der Preis eines Nashorns wäre, die leider wegen ihres Horns von Wilderern in ganz Afrika an den Rand der Ausrottung getrieben werden.

Zwei Nächte campierten wir im Waterberg Plateau Park. Über unserem Zelt erstreckte sich das dunkle Himmelszelt mit tausenden von funkelnden Sternen und so deutlichen Milchstrasse, wie dies im überbeleuchteten Zentraleuropa schon längst nicht mehr sichtbar ist. Die Nächte waren eisig kalt, Frost überzog den Boden und Eis haftete an der Windschutzscheibe unseres Nashorn-grauen Chevi. In weiser Camping-Voraussicht hatten wir unser Zelt in einer Ecke aufgeschlagen, wo uns die ersten Sonnenstrahlen durch den gelben Zeltstoff wärmten, bevor wir unseren warmen Daunenschlafsack verlassen mussten. Tagsüber mit klarem Himmel und Sonnenschein kletterten die Temperaturen dann wieder auf über 20°C.

Etosha Nationalpark

Noch weiter im Norden Namibias erstreckt sich der Etosha Nationalpark auf einer Fläche, die halb so gross ist wie die Schweiz. Der Etosha Nationalpark ist einer der ältesten Nationalparks dieser Welt, seit über hundert Jahren widmet sich dieses Gebiet rund um die Etosha-Pfanne dem Tierschutz. Die Landschaft erlebten wir ganz anders als im Krüger Nationalpark. Statt üppigem Buschland sind weite trockene Ebenen vorherrschend. Ein Bild von einer sengenden weissen Steppenlandschaft, wo vom flirrenden Horizont eine einsame Oryx-Antilope mit hängenden Kopf gelaufen kommt, ist im Etosha Wirklichkeit.

Etosha bedeutet in der Ovambo-Sprache so viel wie „grosser weisser Platz“, was sich auf die rund 5000km2 grosse Etosha-Pfanne bezieht, den Boden eines meist ausgetrockneten Sees. In besonders guten Regenjahren überschwemmt die ganze Etosha-Pfanne, wobei das Wasser nur rund 10cm hoch steht. Das Leben im Park blüht auf, tausende von Wasservögeln kommen zum Brüten. Für den Rest des Jahres herrschen Monate der Entbehrung, das Leben der Tiere spielt sich zum grössten Teil an den wenigen natürlichen und umso mehr künstlichen Wasserstellen ab. Was an die Tierbeobachtung dann auch ganz andere Anforderung stellt. Statt den ganzen Tag im Park herumzufahren, wie wir dies im Krüger Nationalpark taten, setzten wir uns im Etosha Nationalpark nur in den frühen Morgenstunden sowie kurz vor Sonnenuntergang in unseren Nashorn-grauen Chevi und steuerten Wasserlöcher ausserhalb der Camps an.

Wir sahen riesige Herden Zebras und Gnus über die weiten Ebenen streifen, Gruppen von Impalas und Springböcken, Kudus, die kleinste Antilopenart der Welt, das Damara Dik-Dik, eine Hand voll Oryx-Antilopen mit ihren meterlangen Spiesshörnern, Familien von Warzenschweinen, viele majestätisch daherschreitende Giraffen und noch mehr Elefanten, Hyänen, Schakale und mehrere Löwen. Einmal sahen wir vom Auto aus gerade noch einen Leoparden ins Unterholz verschwinden.

Entsprechend unserer Autofarbe hatten wir grosses Glück mit den Nashörner. Von den Spitzmaulnashörner sahen wir mehrere vom Auto aus oder aber nach Einbruch der Dunkelheit an den Wasserlöchern im Camp. Die beste Szene bot sich eines Abends beim beleuchteten Halali-Wasserloch, wo sich sechs Nashörner auf der Bildfläche befanden und drei Löwen hinzukamen. Die noch jungen Löwen trieben ihren Schabernack mit den Spitzmaulnashörner-Müttern, welche ihre Jungtiere zu beschützen versuchten. Während zwei Löwen ein ahnungsloses Nashorn ins Unterholz lockten, schlich sich der dritte von hinten an und stupste mit der Pfote an den breiten Nashorn-Hintern, dass dieses erschrocken herumfuhr und wieder in die andere Richtung rannte.

Ebenfalls zum Lachen brachte uns eine Gruppe mit jungen Elefanten, wovon ein Kleines erst ein paar Tage alt zu sein schien und noch sehr wacklig auf den Beinen war. Es stürzte sich ins Halali-Wasserloch, knickte ein oder fiel immer wieder hin, worauf die Mutter mit Hilfe ihres Rüssels das Kleine wieder auf die stämmigen Beinchen stellte. Auch wenn die Wasserlöcher gross genug sind, die Tiere scheinen nicht gerne zu teilen. Die Rangordnung geht nach Grösse, die Elefanten scheuchen alles zur Seite. Auf den Elefanten folgt die Giraffe, die auch gerne einmal ein Kudu oder ein Zebra wegjagt, bevor sie sich umständlich mit gespreizten Beinen zum Wasser hinunterbeugt. Nur die Perlhühner scheinen niemanden zu stören, die sind immer und überall laut schnatternd an vorderster Front dabei.

Wir campierten zwei Nächte im Halali Camp und zwei Nächte im Namutoni Camp im Etosha Nationalpark und bereiteten unsere Mahlzeiten jeweils auf unserem Campingkocher zu. In der sengende Mittagshitze flüchteten wir ebenso wie die Tiere in den Schatten. Kaum zu glauben, dass die Temperaturen am Tag über 30°C stiegen und in der Nacht wieder auf den Nullpunkt fielen. Die Luft war dermassen trocken, dass Miriams Haare nach dem Waschen in fünf Minuten wieder ganz trocken waren.

Uns machte aber am meisten der Staub zu schaffen. Unser Nashorn-grauer Chevi sah nach vier Tagen Etosha aus wie eingegipst und wegen der Hitze und zum Fotografieren fuhren wir meistens mit offenen Fenstern. Vom ewigen rauf- und runterkurbeln des Autofensters haben wir bald Oberarme wie Bodybuilder und bei entgegenkommenden Fahrzeugen waren wir manchmal auch nicht schnell genug, so dass die ganze Staubwolke direkt in unser Auto waberte und sich auf Armaturenbrett, Sitzen, Rucksäcken, Kleider, einfach überall festsetzte. So wird es höchste Zeit, kommen unsere Sachen bald wieder in den Genuss eines Waschschonganges einer Schweizer Waschmaschine.

Nach vier Tagen und wunderbar vielen Tier- und Landschaftseindrücken haben wir den Etosha Nationalpark hinter uns gelassen und suchen in unserer letzten Woche noch die Abgeschiedenheit der Namib-Wüste auf. Die Tage verfliegen, verdunsten, verstauben…

Miriam y Patrick

5 Kommentare
  1. Käthi
    Käthi sagte:

    Hello Miriam and Patrick

    Einfach fantastisch eure Reiseberichte zu verfolgen. Ich wünsche noch viel Vergnügen in Namibia und bis bald.

    Liebe Grüsse
    Käthi

  2. Annemarie
    Annemarie sagte:

    Nun könnt ihr die Stunden zählen. Geniesst die letzten Tage eurer Weltreise und guten Heimflug. Tschüss und hoffentlich bis bald.

  3. yo
    yo sagte:

    toller bericht!!! folgen noch fotos? bin jetzt total neugierig – klingt einfach fabelhaft das ganze:)!!! *sigh*

  4. myp
    myp sagte:

    hmmm, aus unerklärlichen Gründen ist das Fotoalbum wohl von der Seite verschwunden? Es kommt bald wieder zurück…

Kommentare sind deaktiviert.