Wiedersehen in Kapstadt

In Südafrika erwartete uns ein freudiges Wiedersehen mit unseren Freunden Karen und John. Schon in den ersten Tagen lernten wir die verschiedenen Gesichter Südafrikas kennen, von der Township bis zum edlen Weingut, vom Tafelberg bis ans Kap der Guten Hoffnung.

Zum letzten Mal gesehen hatten wir uns vor fast einem Jahr, als wir uns innert Sekunden auf Hong Kongs Strasse von Karen und John verabschieden mussten, um rechtzeitig den Bus zum Flughafen zu erreichen. Wir waren damals nach Tokyo geflogen, die Weltreise von Karen und John führte weiter nach Nepal und Indien. Anfang des Jahres sind sie nach Südafrika zurückgekehrt und leben vorübergehend noch bei Johns Eltern, bis ihre Wohnung fertig renoviert ist.

Und da stand Karen nun vor uns am Flughafen, inzwischen mit gut sichtbarem Babybauch. John gesellte sich am Abend nach seiner Arbeit im Spital zu uns und wir feierten unsere Ankunft auf dem afrikanischen Kontinent, unser Wiedersehen sowie ein Stück weit auch den Schweizer Nationalfeiertag am 1. August bei Gemsbok-Medaillon und Springbok-Schlegel oder einfach „Game Meat“, wie die Südafrikaner sagen. Wir kamen für die Nächte in Kapstadt im Dorm des Cape Town Backpackers unter und verbrachten die Tage mit Karen und am Wochenende auch mit John.

Auf eigene Faust sahen wir uns die 3,1 Millionen-Metropole Kapstadt an, das Stadtzentrum, die riesigen Malls an der Waterkant (perfekt für einen Regentag). Wir besuchten das District Six-Museum, welches die berührende Geschichte der gewaltsamen Säuberung des eben dieses Distriktes während der Apartheid dokumentiert. Ja, Südafrika hat eine schwer verdauliche Geschichte und das Ende der Apartheid (1994) liegt keine zwanzig Jahre zurück.

Karen überzeugte uns, eine geführte Tour durch eine Township, einem südafrikanischen Elendsviertel, zu machen. Die Idee behagte uns erst nicht recht, dass wir als „reiche Weisse“ uns von einem Reiseleiter womöglich noch im klimatisierten Bus durch die Blechhüttenquartiere der „armen Schwarzen“ chauffieren lassen sollten. Doch dank Karens Bekanntem Nathi kam es dann ganz anders und wir waren froh, diesen Einblick bekommen zu haben. Nathi ist ein junger Schwarzer des Stammes Khosa und er war in Langa, der ältesten Township Kapstadts, aufgewachsen. Mit ihm spazierten wir durch Langa, er zeigte uns die Wohnorte (Einfamilienhäuser, Staatswohnblöcke, Schiffscontainer,Blech- und Holzhütten), Treffpunkte, das Spital und die Schule, wo wir sogar noch seine Primarlehrerin kennenlernten. Er erklärte uns die Entstehung Langas und die Regeln des Zusammenlebens und schon nach kurzer Zeit sahen wir nicht mehr die Armut der Bewohner, sondern ein ungeahnt starkes Gemeinschaftsleben, die Kultur und Tradition, die Neugier der Kinder, der Stolz der Khosa. Überraschend für uns war, dass es auch innerhalb der Township sehr wohlhabende Leute gibt mit teuren Autos und grossem Haus. Doch selbst wer es nach der Apartheid zu etwas gebracht hat, will die Township nicht verlassen, sondern Ziel sei es, das Leben in Langa zu verbessern, erklärte uns Nathi.

Ein Tag führte uns Karen auf die Halbinsel zum Kap der Guten Hoffnung. Unterwegs machten wir Halt in verschiedenen Bilderbuch-Küstendörfchen und freuten uns besonders über die Pinguine in Simonstown. Die Kolonie hatte sich mit ihren flauschigen Jungtieren direkt am Strand und unter den Sträuchern an der Küste niedergelassen und einen Pinguin sahen wir sogar unter der Hecke in einer kleinen Quartierstrasse. Der Tiere nicht genug, im Buschland unterwegs ans Kap der guten Hoffnung entdeckten wir eine Schildkröte, zahlreiche Echsen, eine Gruppe Eland (grosse Gazellenart) und Strausse. Das ist Afrika, wie man es sich vorstellt! Den wunderschönen Tag ausklingen liessen wir am Strand mit Sicht auf den glutroten Sonnenball, der langsam im Meer versank.

Nicht fehlen durfte natürlich der Tafelberg, Kapstadts Wahrzeichen. Mit John zusammen packten wir unsere Wanderrucksäcke und kletterten die Skeleton-Gorge hoch. Wir überquerten die flache „Tischplatte“ auf 1086m, wo uns der kalte Winterwind um die Ohren pfiff. Was für eine Aussicht in alle Richtungen! Unter unseren Füssen zog sich Kapstadt über die ganze Meerenge und auf der anderen Seite konnten wir bis zur Bucht sehen, wo die Chapman’s Peak Strasse endete, auf der wir am Vortag vom Kap der guten Hoffnung zurückgekehrt waren. Auch Robben Island, die wir leider nicht besuchen konnten, war gut sichtbar. Die Touren auf diese einstige Gefängnisinsel, wo auch Nelson Mandela als politischer Gefangener Jahre verbüsste, waren auf Wochen ausgebucht.

Einen weiteren Tagesausflug unternahmen wir in die Weinanbaugebiete unweit Kapstadt. Karen und John zeigten uns ihre Lieblingsorte in Stellenbosch, wo sie beide die Universität besucht hatten. Ausserdem waren wir auf dem Weingut vom südafrikanischen Profigolfer Ernie Els eingeladen. Stewart, der Ehemann von Johns Schwester Sarah, ist der Vermögensverwalter von Ernie Els und er hatte diesen Luxustag für uns eingefädelt. In der VIP-Ecke des Anwesens kosteten wir Camambert im Honigmandel-Mantel und Fillet an einer Espressosauce, probierten acht Ernie-Els-Weine und versuchten in unseren abgelatschten Trekkingschuhen so distinguiert wie möglich auszusehen.

John konnte sich im Spital ein paar Tage frei nehmen und mit ihm und Karen werden wir nun einen Roadtrip entlang der Küste nach Osten unternehmen, juhu!

Wieder infiziert vom Reisefieber: Miriam y Patrick

1 Antwort
  1. yo
    yo says:

    wow, sehr sehr eindrücklich… ich wünschte ich hätte bei der führung mit dabei sein können! tolle, wunderschöne bilder – wie immer :-*

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